Thuringer Allgemeine Burak Ozdemir Musica Sequenza Bach Silent Cantata 1CONCERT REVIEW: BACH THE SILENT CANTATA

Musik sagt mehr als tausend Worte

Thüringer Bachwochen: In einem außergewöhnlichen Kantatenkonzert ersetzte ein überragender Fagottist die menschliche Stimme

Ohrdruf. Angekündigt ist ernsthafte Barockmusik, doch nun steht dieser schlanke junge Mann da vorn im Altarraum, in wehende Seidentücher gehüllt, und seine Füße stecken in weißen Turnschuhen. Das wird wohl ein außergewöhnliches Konzert..

Genau. Und solches war der Bach-Stadt Ohrdruf vorbehalten. Im Rahmen der Thüringer Bachwochen gastierte dort, in der St.-Trinitatis-Kirche, am Sonntagnachmittag der in der Türkei aufgewachsene Komponist und international geehrte Fagottist ­Burak Özdemir gemeinsam mit dem in Berlin angesiedelten Ensemble „Musica Sequenza“. Einerseits sind dessen Mitglieder auf Alte Musik spezialisiert – beispielsweise spielen die Geiger und der Bratschist mit konvex geformten Barockbögen, und eine Laute ist selbstverständlich auch dabei –, andererseits haben sie sich teils waghalsigen klanglichen Experimenten verschrieben.

In diesem – weniger waghalsigen – Fall nun hatten sich die Musiker Vokalwerke Johann Sebastian Bachs vorgenommen, die sie unter dem Titel „The silent Cantata“ (Die schweigende Kantate) vortrugen: Ja, die menschliche Stimme schwieg tatsächlich, aber an ihre Stelle trat Özdemirs Fagott. Und die Rechnung ging auf – dieses für Soloauftritte nicht gerade prädestinierte Instrument „spielte“ nicht, sondern es „sang“, und das Timbre dieser Stimme, die dem Holz entströmte, berührte die Hörer im Innersten.

Die Geigen und die Bratsche des Ensembles demonstrierten vielfach ihre Liebe zum geheimnisvollen Pianoklang, zum Teil con sordino, also mit Dämpfer, und immer wieder war es verblüffend, wie harmonisch Fagott und Ensemble miteinander umgingen. So etwa in der Arie „Gelobet sei der Herr, mein Gott“ aus der gleichnamigen Kantate BWV 129, worin die verzierte Melodik zweier Violinen, des Violoncellos und des Fagotts in schönster polyphoner Manier einander umschlangen – Musik, in der man „baden“ mochte..

Ob nun der Chor „Et incarnatus est“ aus der Messe h-Moll mit seinen Seufzermotiven, die eindringlich punktierten Rhythmen der Arie „Ach, mein Sinn“ aus der Johannes-Passion oder zum Schluss der erstaunlich rasch und intensiv zupackend gestaltete Chor „Allein zu dir, Herr Jesu Christ“ aus der gleichnamigen Kantate BWV 33 – Özdemir und sein Ensemble boten Musik, die unter einfach die Haut ging.

Langer begeisterter Applaus und eine verdiente Zugabe krönten das außergewöhnliche Bach-Konzert.

 

hr 2 Musica Sequenza Burak Ozdemir Sampling Baroque Handel 1CD REVIEW: SAMPLING BAROQUE/HANDEL

Hier entsteht eine neue Spielart von Musik.

Mit Händel in den Club – Barockmusik und Elektronik

Eigentlich ist das aus Berlin kommende Ensemble namens Musica Sequenza ein Barock-Ensemble, das auf historischen Instrumenten spielt. Sein Leiter aber, der Komponist und Fagottist Burak Özdemir, erforscht Klänge aller Arten.

Auf seiner neuen CD hat Musica Sequenza bekannte Arien aus Händel-Opern instrumental eingespielt. Mit elektronischen Sounds wie man sie aus der Clublounge kennt, und mit Hilfe eines DJs in New York hat Burak Özdemir Händels Arien dann neu abgemischt, sie verfremdet und in etwas Neues verwandelt. Das Klangergebnis geht weit über ein banales „Anything goes“ hinaus. Erschienen ist die CD des Ensembles Musica Sequenza bei der Deutschen Harmonia Mundi, einem Label für Alte Musik. Ein Angebot für Technoliebhaber wie für Klassikhörer gleichermaßen. Unser Klassik-DJ Niels Kaiser sagt Ihnen Genaueres:
Ob man eine solche Musik als schön oder als hässlich empfindet, das kann nur der Zuhörer für sich selbst entscheiden. Die Clubsounds sind hier jedenfalls weit mehr als nur eine pittoreske Zutat zu Händels Musik, mehr als ein reines Ornament. Hier entsteht eine neue Spielart von Musik.
Dass DJs mit den Mitteln der elektronischen Clubmusik klassische Musik remixen, das allein wäre ja nichts Neues. Hier aber greift ein klassischer Musiker ein, der Händels Musik zuvor selbst eingespielt hat. Mit der Durchmischung von historischer Musik und aktuellen Klängen entsteht etwas Neues, etwas, an dem beides – Klassik und Elektronik – seinen gleichwertigen Anteil hat.

Das ist keine Loungemusik für den Hintergrund. Es wird genau geschaut bzw. hingehört: was passt zusammen, was fügt sich gut ineinander, was ergibt zusammen Sinn? Manchmal kann man den Klang sogar im ersten Moment noch gar nicht richtig einordnen: kommt er von den Barockinstrumenten oder kommt er aus der Maschine?

Das Ensemble Musica Sequenza besteht aus fünf Barockstreichern, einem Zupfinstrument und dem Barockfagott Burak Özdemirs. Ihr Ziel ist es nicht, Händels Musik aufzublähen. Tatsächlich ist der Klang oft reduziert, werden Stimmen ausgedünnt, entsteht ein feines Klangewebe. Auch die elektronischen Bestandteile der Musik sind fein ausgetüftelt.

Das Ergebnis ist eine ruhig dahin fließende Musik, die zu Kontemplation einlädt und auch als Meditationsmusik taugen würde. Wie auch immer man das nun findet – schön oder hässlich – es gibt beim Zuhören jede Menge Details zu entdecken. Es ist ein Album, für das man sich Zeit nehmen kann, egal ob als Clubgänger oder als Händelhörer. Das Ergebnis ist eine ruhig dahin fließende Musik, die zu Kontemplation einlädt und auch als Meditationsmusik taugen würde. Wie auch immer man das nun findet – schön oder hässlich – es gibt beim Zuhören jede Menge Details zu entdecken. Es ist ein Album, für das man sich Zeit nehmen kann, egal ob als Clubgänger oder als Händelhörer. 

 

coolibri logo musica sequenza burak ozdemir sampling baroque bach handel 1

CD REVIEW: SAMPLING BAROQUE/HANDEL

Cool umgesetzt und atemberaubend arrangiert.

Klassische Bestandteile mit Electronica zu einer untrennbaren Melange zu verweben, ist ein Abendteuer. Kopf dieses Projekts ist Burak Ozdemir, der den barocken Klang von Georg Friederich Händel in den „Sound of Berghain: ummünzt: mal klassisch und dub-techig, mal pin purer Minimal-Techno-Manie und mal, als sässe Giorgio Moroder hinter dem Mischpult. „Die elektronische Musik wirkt im Gegensatz zu den Arien sehr kühl“, sagt Burak. Er wollte beide Genres in ihren Extremen halten. Die verträumten klassischen Elogen treffen hier auf die kalte Ästhetik der modernen Welt. Cool umgesetzt und atemberaubend arrangiert. 

 

Hurriyet Musica Sequenza Burak Ozdemir Handel Sampling Baroque

CONCERT REVIEW: SAMPLING BAROQUE/HANDEL

Fagot ile Barok Pop!

Fagotçu Burak Özdemir’in barok icraları 2012’den bu yana Almanya’da saygın klasik müzik firması Harmonia Mundi’den yayımlanıyor, övgü alıyor. Bir yandan da elektronik müzik alanında çalışan, ses kesitleriyle deneyler yapan Özdemir ‘dijital barok / barok pop’ akımını başlattı. 17 Haziran’da, grubu Musica Sequenza ile İstanbul Müzik Festivali kapsamında Bomontiada’da Bach ve Handel uyarlamalarını sunacak.

11 yaşında, konservatuvarın birinci sınıfında fagotu seçmesinin nedeni çalgının alışılmadık ses yapısı ve ‘bilimkurgu unsuru’ gibi görünmesiydi… Babası müzisyendi. Oğlunu İstanbul Devlet Senfoni Orkestrası’na götürmüş, arkadaşlarından enstrümanlarını tanıtmasını istemişti. Burak Özdemir “İlk bakışta kavraması güç, gizemli görünümünden ve yumuşak sesinden çok etkilendim” diyor o günleri anlatırken. Modern fagot yerine tarihi enstrüman seçmesinin, ses kesitleri ve elektronik efektlere yönelmesinin nedeni de farklılık arayışı. Berlin Sanat Üniversitesi’ndeki lisansüstü eğitimi sırasında barok fagota geçti, elektronik müzik bölümünde çalışmalar yaptı.
Erken çağ müziğini elektronik platformda icra girişimi öylesine ikna ediciydi ki muhafazakâr görüşlerin etkin olduğu akademik ortamda bile kabul gördü. Amerika’da, ünlü Juilliard Akademisi’nde Jordi Savall, William Christie gibi önemli müzikçilerin bulunduğu jüriye klasik müziğin katı ritüellerinden arınmış, daha şeffaf, erişilebilir bir müzikle gençlere, geniş kitlelere ulaşmayı hayal ettiğini anlattı, doktora hakkını kazandı.

Juilliard’da yazdığı elektro barok operası ‘Fuga’ (Kaçış) Amerika’da sahnelendi, projeleri için kurduğu Musica Sequenza (Müzikal Kesitler) topluluğuyla Vivaldi icraları ilgi gördü fakat Burak Özdemir asıl çıkışını Avrupa’da yaptı. Sony’nin Almanya’da barok müzik yayımladığı Harmonia Mundi’yle 2011’de 10 plaklık anlaşma imzaladı. 2012’de yayımlanan ‘Vivaldi: The New 4 Seasons’ın repertuvarı keman konçertoları yerine dört fagot konçertosundan oluşuyordu. Ayrıca iki kantatı kontrtenor Daniel Bubeck yorumlamıştı. Akustik repertuvar daha sonra Berlin’deki Radial System kültür merkezinde elektronik versiyonuyla seslendirildi. Ertesi yıl Bach’ın kantatlarını insan sesi yerine fagotla yorumladığı ‘Silent Cantata’ yayımlandı. Bu repertuvar İstanbul konserinde de icra edilecek Sampling Baroque/Exposing Bach (Baroku Dijitalleştirmek/ Bach’ı Ortaya Çıkarmak) projesine kaynak oldu.  2014’teki ‘Rameau a la Turque’ barok çağın Fransız ve Osmanlı bestecisini karnaval atmosferinde bir araya getiriyordu. Rameau’nun operası fagotun solistliğiyle, Tanburi Mustafa Çavuş’un saz eserleri otantik sazlarla seslendirilmişti. Geçen yıl yayımlanan ‘Sampling Baroque / Exposing Handel’ elektronik denemelerin ilk albüm kaydıydı. Massive Attack grubuyla da çalışan Van Rivers’ın teknolojik desteğiyle kaydedilmişti. Almanya’daki Hale Handel Festivali’nin siparişiyle yazılan eser Harmonia Mundi’nin yayımladığı ilk elektronik barok örneği oldu.  Burak Özdemir, İstanbul’da grubu Musica Sequenza ile Bach ve Handel’in eserlerini elektronik uyarlamalarıyla seslendirecek. Konser biletsiz, ücretsiz. Kulüp ortamı ve elektronik efektler muhafazakâr kulakları zedeleyebilir. Meraklı, serüvene açık kulakları kanatlandıracağı aşikâr.

 

Plattenladen Tipps Burak Ozdemir Musica Sequenza Sampling Baroque Handel 1

CD REVIEW: SAMPLING BAROQUE/HANDEL

Ein Dokument barocker Pracht!

Das junge Berliner Barock-Ensemble Musica Sequenza spielt Händels Arien nicht nur auf historischen Instrumenten, sondern konfrontiert sie mit musikalisch-technischen Möglichkeiten der Moderne.Menschliche Gefühle unterliegen hingegen keiner Mode, sind heute nicht anders als vor 300 Jahren, als Georg Friedrich Händel rund 40 Opern schuf, die noch heute im Fokus der Freunde der Barockmusik stehen. Arien wie „Ah! Mio Cor“, „Piangero“ oder „Lascia“ hat Musica Sequenza für sein Album ‚Sampling Baroque/Händel‘ aufgenommen, um so für ein neues Händel-Erlebnis zu sorgen. In Berlin eingespielt und vom skandinavischen DJ und Produzenten Van Rivers in New York abgemischt, ist die Kollektion ein Dokument barocker Pracht und elektronischer Kühle. Burak Özdemir, Komponist, Fagottist und Leiter von Musica Sequenza, erklärt dazu: „Ich wollte beide musikalischen Genres in ihren Extremen halten. Von Händels Seite so viel Liebe, Drama und Schmerz und auf der anderen Seite die Elektronik mit modernster Technologie.“ 

 

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 CD REVIEW: SAMPLING BAROQUE/HANDEL

Wie gut beides zusammenpasst-eine zeitlose Musik mit modernen Klängen.

Klassik und elektronische Musik-eine Mischung, die als unvereinbar gilt.

Burak Özdemir und sein Ensemble „Musica Sequenza“, zeigen auf „Musica Sequenza-Sampling Baroque Händel“, wie gut beides zusammenpasst-eine zeitlose Musik mit modernen Klängen,die eben nie zu aufgesetzt modern wirken. Da wird nicht mit aller Macht versucht, zwei Klangwelten zu verbinden, die einfach nicht zusammenpassen. Vielmehr werden Impulse gesetzt, dezent akzentuiert-und das hebt die Genialität Händels eher hervor, statt sie mit modernen Beats zu übertönen.

Dabei ist eine ruhige, meditative Musik entstanden, die den Hörer nicht überfordert und sowohl für KLassik-und Elektro-Pop-Fans etwas Neues, Innovatives bietet.

Burak Özdemir geht von der Annahme aus, dass sich die menschlichen Gefühle nicht geändert haben, genauso wenig wie die Fähigkeit, musikalisch neue Wege zu gehen, etwas auszuprobieren, dass es vorher noch nie gegeben hat. Musica Sequenza führen diese Tradition weiter. 

 

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Wer sich diese CD mit offenen Ohren anhört und sich auf das Klangabenteuer einlässt, wird staunen, wie gut Händels Musik die modernen Sounds verträgt.

Alte Musik und neue Sounds

Burak Özdemir, ausgebildet in seiner Heimatstadt Istanbul, an der renommierten Julliard School in New York sowie an der Berliner Universität der Künste, ist in der Alte-Musik-Szene ein gefragter Fagottist: Er ist Mitglied des Barock-Ensembles L‘arte del mondo, hat schon mit William Christie und Les Arts Florissant oder der Lautten Compagney zusammen gespielt. 2008 hat er sein eigenes Barock-Ensemble Musica Sequenza gegründet. Dass er auch schon mit der Choreographin Sasha Waltz, dem Pianisten Fazil Say und dem englischen DJ und Produzenten Matthew Herbert zusammen gearbeitet hat, zeigt, dass er keinesfalls auf Alte Musik und festgelegt ist. Burak Özdemir komponiert auch und experimentiert gern mit Formen und Klängen.

 

Aufprall statt Verschmelzung

Auf der CD „Sampling Baroque Handel“ konfrontieren Musica Sequenza und Burak Özdemir barocke Musik mit gesampelten Sounds des 21. Jahrhunderts. Die Dramatik und Leidenschaft der Liebes-Arien aus Opern von Georg Friedrich Händel, gespielt auf historischen Instrumenten, trifft auf die kühlen, synthetischen Klänge des Synthesizers. Mitproduzent des Albums ist der schwedische DJ Van Rivers, der die derzeitige Underground- und Electro-Pop-Szene entscheidend beeinflusst.

Bei dem Aufeinandertreffen dieser Klangwelten soll keine Angleichung oder Verschmelzung stattfinden; Burak Özdemir will die barocken Klänge und die gesampelten Sounds „wie Schwarz und Weiß aufeinanderprallen“ lassen. Jede Klangwelt bleibt, wie sie ist, existiert parallel zur anderen; eine gegenseitige Beeinflussung findet nicht statt. Mal legen sich Herzschlag-Beats und Klick-Geräusche dezent auf eine Händel-Arie, mal wechseln die Klangwelten einander ab oder legen sich einfach wie zwei voneinander isolierte Schichten übereinander.

Einige Eingefleischte Händel-Fans mögen beim ersten Sound-Aufprall geschockt sein. Doch je mehr man sich auf dieses Experiment einlässt, je interessanter wird es, denn die Konfrontation der Klänge folgt einer geschickten Dramaturgie und ist raffiniert  koordiniert. Jede Händel-Arie oder auch einzelne Abschnitte davon werden durch die gesampelten Sounds in ein neues Licht getaucht, in einen anderen Kontext gestellt. Beim mehrmaligen Hören entdeckt man immer wieder neue Sounds oder Geräusche und plötzlich stellen sich doch Verbindungen zwischen diesen so grundverschiedenen Klangwelten ein. In einer Ouvertüre, zwei Interludien und einem Hallelujah zeigt Burak Özdemir seine Qualitäten als Komponist. Diese Stücke passen gut zu den Händel-Bearbeitungen, weil dort die gleichen Klangwelten zu hören sind.

Burak Özdemir und sein Ensemble Musica Sequenza behandeln die Werke Händels mit großem Respekt: Sie verzerren oder entstellen nichts, Händel bleibt Händel. Barock-Puristen mögen vielleicht die Nase rümpfen und rufen: Händel braucht keine Klangzutaten. Wer sich diese CD aber mit offenen Ohren anhört und sich auf das Klangabenteuer einlässt, wird staunen, wie gut Händels Musik die modernen Sounds verträgt.  

 

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CD REVIEW: SAMPLING BAROQUE/HANDEL

Sinnlich und soghaft, komplex und einfach zugleich.

Crossover kann bisweilen fürchterlich schief laufen. Aber dieses neue Album des Berliner Ensembles Sequenza ist einfach gut gemacht – sinnlich und soghaft, komplex und einfach zugleich. Unter der Leitung von Burak Özdemir, einem Experten für die Grenzen zwischen elektronischer Musik, Pop und Klassik, überführen die Musiker behutsam Händels Musik in neue Klangwelten: Und in diesen gehen moderne elektronische Musik und barocke Affekte eine ungeahnt stimmige Symbiose ein. Sicher nicht nach Jedermanns Geschmack, aber faszinierend! 

 

Sozcu Musica Sequenza Burak Ozdemir Sampling Baroque Bach Pop

PORTRAIT: BURAK OZDEMIR

Almanlar’a Bach sevdiren Türk

1600’lerden günümüze kadar Batı müzik dünyasını derinden etkileyen barok müziğin son dönemde yeni nesil bir temsilcisi var: Burak Özdemir. Almanlara barok ve klasik müziği sevdirmeye çalışan Özdemir, elektronik müzikle Bach’ı harmanlıyor.

Alman basını, Berlin’de yaşayan 1983 doğumlu Özdemir’i konuşuyor. Musica Sequenza adlı oda orkestrasıyla barok müziğini farklı tarzlarla harmanlayan Özdemir, son projesi “Sampling Baroque/Bach”da Bach’ın kayıtlarına başladı. Özdemir özellikle elektronik ritmlerle Bach’ı birleştirerek dikkatleri üzerine çekiyor.

Fagot çalan ve orkestrasını yöneterek konserlere çıkan barok müzik uzmanı, orkestrasının Bach’ın eserlerini orijinal enstrümanlarla çalınmasına önem verdiğini söylerken, “Fagot, barok için önemli bir enstrüman. Amacım klasik müziği gençlere sevdirmek. Klasik müziğin belli başlı bir kitleye hitap etmesine yönelik bir rahatsızlığım var. Ben bu geleneksel müzik şeklini farklı nesillere, gençlere ve klasik müzikle ilgisi olmayanlara sevdirmek istiyorum” diyor.

Gece kulüplerinde klasik müzik konserleri verdiklerini söyleyen Özdemir, harap haldeki terk edilmiş fabrikalarda barok konserler veriyoruz ve ardından DJ setler düzenliyoruz. Barok müziğin doğaçlamadan çok fazla etkilendiğini dile getiren Özdemir , “Notaya baktığınızda çok basit görülebiliyor fakat icrayla birlikte çok farklı noktalara çekilebiliyor. Bu sayede diğer müziklerle etkileşime kolaylıkla girebiliyor” dedi.

Almanya ve ABD’de eğitim gören Özdemir, birçok uluslararası festivalde de sahneye çıktığını söyledi. Özdemir, Sampling Baroque/Bach’ın bu yılın sonunda piyasaya çıkacağını da duyurdu.

 

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CD REVIEW: SAMPLING BAROQUE/HANDEL

Hallelujah!! Was für Musik!! Was Özdemir mit/aus Händels Musik macht ist nicht einfach, aber einfach genial! Respekt! –

Ich sage über das neue Album von Musica Sequenza: Ja, Händels Musik enthält viel Liebe, Schmerz und Drama. Der Komponist Özdemir und seine Musiker packen auf diese Emotionen Spannung, Lebensfreude und Tanzlust obendrauf. Diese Musik ist nicht kühl sondern heiß! Sie entspricht viel mehr dem Gefühl der heutigen Zeit. Man suhlt sich nicht mehr in Schmerz und Trauer. Die jungen Leute gehen in Clubs statt in Opernhäuser. Es gibt dort keinen Graben, in dem sich ein Orchester versteckt. Die Bühne gehört dem DJ und das Leben den jungen Leuten.

Bisher dachte ich, Händel ist so wunderbar, man sollte die Finger von seiner Musik lassen. Seinen Kompositionen fehlt nix! Nachdem ich «Sampling Baroque» gehört, ja, erlebt habe, denke ich anders darüber. Was Özdemir mit/aus Händels Musik macht ist nicht einfach, aber einfach genial! Respekt! – Habe ich vor der Leistung Özdemirs und er vor der Musik Händels.

Was mich noch mehr beeindruckt und packt, sind nicht die geschickt gesampelten Sounds, die Händels Musik, ohne sie zu verzerren, neu und wahnsinnig spannend werden lassen. Das beste Beispiel hierfür ist «Lascia ch’io pianga», eine meiner liebsten Händel-Arien. Was mich noch mehr beeindruckt, sind die Kompositionen von Burak Özdemir. Diese Klangwelt, die er schafft ist eine, in der ich mich täglich aufhalten möchte. Dieses Niveau, diese Qualität seiner Kompositionen fand ich bisher nur im Bereich der klassischen Musik. In den vergangenen Jahren hörte ich überwiegend Klassik, die, ich fühlte es immer deutlicher, mich viel zu oft ernsthaft und traurig zurückließ. Bei Der Musik Özdemirs ist das anders. Ohne auf musikalisch anspruchsvolles Niveau verzichten zu müssen, genieße ich das positive und lebendige Gefühl, dass seine Musik mir schenkt.  

 

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CD REVIEW: SAMPLING BAROQUE/HANDEL

Dank seiner Ausgereiftheit!

Nicht dass ich jemals Zweifel gehabt hätte: die Verbindung von klassischer Musik und zeitgenössischen sounds endet nicht bei, ähem, crossover-acts wie Apocalyptica oder den zumeist mäßig überzeugenden Fusionsbemühungen diverser metal-acts, welche ein Orchester um sich scharen um dem eigenen Liedgut vermeintlich neue Facetten abzugewinnen. zu den eher innovativeren Beiträgen an der Schnittstelle barock und pop darf man Musica Sequenza zählen. dahinter steckt mit Burak Özdemir ein Soundbastler, der auf „Sampling Baroque/Handel“ (Sony Music) im besten sinne des Wortes beide Welten vereint. Ein experiment, welches zwar keine grenzen sprengt und so ähnlich schon an anderer stelle funktionierte, jedoch dank seiner Ausgereiftheit dennoch zu überzeugen weiß.  

 

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CD REVIEW : SAMPLING BAROQUE/HANDEL

In Wirklichkeit eines der interessantesten Projekte, die man dieses Jahr zu hören bekommt.

Die klassische Musik der Barockzeit zählt sicherlich nicht gerade zu den heißesten Sounds des Jahres 2016. Junge Menschen haben meistens etwas anderes im Sinn und auf den Ohren. Dies könnte sich vielleicht bald ändern. Zumindest die Aufgeschlossenen werden das neue Werk von Musica Sequenza lieben. Das Ensemble hat sich unter der Leitung von Burak Özdemir mit „Sampling_Baroque/Handel“ einem Crossover-Werk hingegeben, welches genau diese Musik als Thema behandelt. Und hier geht es dann auch noch in ein Spezialgebiet, nämlich zu den Werken von Georg Friedrich Händel.

Die Melodien von Händel zählen zu den besten des Barock. Darüber gibt es vermutlich keine zwei Meinungen. Über die Vielfalt, die Ausgestaltung und den Ton kann man trefflich streiten, die Melodien sind aber so ziemlich das Schönste, was die Klassik zu bieten hat. Daran knüpfen jetzt Musica Sequenza an. Die hier enthalten Songs, Tracks, Zwischenspiele und vielen Schlenker und Umwege spannen nämlich einen Bogen und verweben Händels Opern mit den Klängen der Moderne. Was sich auf dem Papier liest, als würde hier mit der Brechstande versucht Beats, Sounds und Synthesizer mit den Klassikklängen zu verbinden, ist in Wirklichkeit eines der interessantesten Projekte, die man dieses Jahr zu hören bekommt.

Liebe, Schmerz und Drama von Händel passen erstaunlich gut zu den kühlen Klängen. Das beißt sich auch nicht und nimmt sich auch gegenseitig nichts weg. Die Übergänge sind klasse gewählt worden und man kann sich in diese Musik regelrecht fallen lassen. So ganz nebenbei ist sie auch noch cool, lässig und modern. Özdemir und sein Mitstreiter schaffen es, die Musik so in die Jetztzeit zu holen. Die größte Leistung dürfte darin bestehen, dass die Ursprünglichkeit beibehalten und der eigentlichen Musik von Händel ihre Seele eben nicht beraubt wurde.

Fazit: „Sampling_Baroque/Handel“ von Musica Sequenza ist eines der interessantesten Crossover-Projekte der letzten Jahre. Elektronische Musik mit den Melodien von Händel zu verbinden ist ja nicht gerade naheliegend. Es haut aber hin, weil man da mit sehr viel Fingerspitzengefühl vorgegangen ist und den Melodien ihre Seele gelassen hat. So wird das wunder- und würdevoll in das Jahr 2016 transportiert. Dieses Album richtet sich nicht nur an Klassikfans, sondern auch an junge Leute, die Electro-Pop hören und Neuem gegenüber sehr aufgeschlossen sind. 

 

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CD REVIEW : SAMPLING BAROQUE/HANDEL

Wer also Lust auf „Händelektro“ hat, dem kann ich das Album wärmstens ans Herz legen.

Früher spielten die Heldinnen und Helden auf der Opernbühne zu Melodien von Georg Friedrich Händel. Heute spielt das junge Berliner Barock-Ensemble Musica Sequenza rund um Burak Özdemir diese Arien auf historischen Instrumenten und mixt dazu Elektrosounds und Klangwelten. Eingespielt wurden die Arien in Berlin und dann beim bekannten skandinavischen DJ und Produzenten Van Rivers in New York gemischt. Wer also Lust auf „Händelektro“ hat, dem kann ich das Album wärmstens ans Herz legen. Ein Konzertbesuch lohnt außerdem. Am 24.06.2016 spielt das Ensemble um 21 Uhr in der Berliner Berghain Kantine.  

 

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CD REVIEW: SAMPLING BAROQUE/HANDEL

Burak Ozdemir has become a hot topic by carrying out the rock and trance music on a collaboration with synthesizers and bassoon.

ニューヨークのピリオド楽器だけでなくモダン楽器も扱うアンサンブル「ムジカ・セクンツァ」の、独特なプログラムによる『ヴィヴァルディ』『バッハ』に続くDHMへの3枚目のアルバムが登場します。この団体の音楽監督を務めるのは、ジュリアード音楽院を2010年にトップで卒業したファゴット奏者、ブーラク・オズデミール。彼はモダン・ファゴット、バロック・ファゴットも手掛けるのみならず、ロックやトランス・ミュージックをシンセサイザーとファゴットのコラボレーションで行うなどして話題になっています。
『サンプリング・バロック・ヘンデル』と題された今回のアルバムは、そうしたオズミデールの音楽性を反映し、バロック音楽と電子音楽によるリミックスで再構成されています。アフリカ音楽のようなパーカッションの上に美しいヘンデルの器楽によるアリアのメロディが流れるなど、これまでにない即興的な実験音楽も取り入られています。(DHM)

 

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 CD REVIEW: SAMPLING BAROQUE HANDEL

Musica Sequenza present their „Fuji answer“ to the electronic music remixes!

★Deutsche Harmonia Mundi首度涉足跨界電子音樂之企劃。
★取材自韓德爾優美的歌劇旋律,改編為古樂器與電子音樂的新唱。
★Musica Sequenza藝術總監Burak Özdemir親自改寫,北歐知名製作人Van Rivers操刀混音。
★韓德爾經典名作齊錄,古曲再現當代新意。

「讓我為自己悲慘的命運哭泣,而我渴望自由……這場爭鬥模糊了我所遭逢的許多痛苦,我祈求我的痛苦能得到慈悲的解脫,而我渴望自由!」

韓德爾向以一流神劇作曲家之名為人所知,但其實還有許多經典的傳世旋律,是出自於他的歌劇之間。上面這首出自《林納多》的〈讓我淚流〉(Lascia ch`io pianga)即是一例,劇中被囚的女主角唱出哀歌一首,聞者莫不動容。

在韓德爾的歌劇創作生涯中,《林納多》是他的大起之作,不只頗受當時觀眾歡迎,〈讓我淚流〉還成為今日時常單獨演出的金曲之一。女高音唱此曲似是名正言順,假聲男高音的版本,也因電影《絕代豔姬》(Farinelli)披露了作曲當時閹伶的一段曲折,而風靡樂壇。但是一邊由古樂器樂團演奏,一邊搭上「現代風味」的〈讓我淚流〉,能是什麼模樣?Musica Sequenza用電子音樂混音版本,提出了他們的不二回答。

這個二○○八年由Burak Özdemir在柏林成立的合奏團,該團擅於將古樂音樂會轉為電音—巴洛克音樂表演,讓早期古典音樂與現代電子音樂對話其間,憑著他們對巴洛克音樂的特殊詮釋及饒富創意的概念與演出,已在國際上打出名號,也是許多名家首選的合作夥伴。

此前Musica Sequenza已在Deutsche Harmonia Mundi發行過備受好評的韋瓦第、拉摩、巴赫音樂專輯,如今再發新碟,且聽他們如何採樣、拼貼出電音風味的韓德爾。 

 

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CD REVIEW: SAMPLING BAROQUE HANDEL

Wunderschönen Tonfolgen aus Händels Opern..

 

Georg Friedrich Händels Werke gehören zu den beliebtesten des Barock überhaupt. Er ist berühmt für seine außergewöhnliche Fähigkeit, Melodien zu erfinden, die ihre Qualität, wahre Ohrwürmer zu werden, bis heute nicht verloren haben. Gerade deshalb wählten das Berliner Ensemble MUSICA SEQUENZA und sein Leiter Burak Özdemir, der die Grenzen zwischen elektronischer Musik, Pop und Klassik bei seinen Konzerten und DJ-Sets regelmäßig fließend überschreitet, Händels Musik für ein innovatives Crossover Projekt namens „Sampling Baroque / Handel“

Der Silberling kombiniert über 15 Tracks den Klang historischer Instrumente mit der nahezu unbegrenzten Vielfalt elektronischer Sounds, Synthesizern und Beats. Die Musiker und der skandinavische Produzent Van Rivers betreten neue Klangwelten und verleihen wunderschönen Tonfolgen aus Händels Opern den Klang des urbanen 21. Jahrhunderts. Dabei überwiegen bis auf wenige Ausnahmen (vgl. das pumpende „Lascia“ oder die flirrenden Sounds von „From This Unhappy Day“) die klassischen, zeitlosen Elemente, die jedoch in jedem Moment ein smartes Konglomerat mit der modernen Elektronik eingehen.

So ist „Sampling Baroque / Handel“ in gleichem Maße ein Album für Fans der Barockmusik, die selbige ohne Angst vor Genre-Überschreitungen neu entdecken wollen, wie für ein junges Publikum, das seiner Electro-Affinität einen weiteren Aspekt hinzufügen möchte.  

 

schaffhauser nachrichten burak ozdemir musica sequenza sampling baroque bach 2CONCERT REVIEW: SAMPLING BAROQUE/BACH

Mit Bach und Burak in den Ausgang

Burak Özdemir und Musica Sequenza vereinen Bachs Arien, Clubmusik und Visuals zu einem faszinierenden Gesamtkunstwerk. 

<<Also wenn’s tönt, wie wenn irgendwas übersteuert oder kaputt wäre, musst Du nicht zum Mischpult schauen>>. warnt mich die Technikcrew vor. <<Das gehört bei denen zum Programm.>> Gut zu wissen. Trotzdem in die vorderste Reihe sitzen? Warum nicht. Immerhin hat man da einen unverstellten Ausblich auf die Bühne, welche sich in einem ungewöhnlichen Set-up präsentiert. Den hinteren Drittel nimmt ein Cembalo aus hellem Holz ein, rechts und links flankiert von Notenständern fuer die Ensemblemitglieder, vorne, auf einem altmodischen Holztischchen, thront ein DJ-Pult, von der hinteren Deckenwand hängt eine Projektionsfläche fuer Visuals. Die Kammgarnhalle ist bestuhlt und bis auf den letzten Platz besetzt, mit eher älterem, aber doch gut durchmischtem Publikum.

Bach und Techno verschmelzen

Impresario BurakÖzdemir und sein Ensemble, die Musica Sequenza nehmen rasch und ungezwungen ihre Plätze auf der Bühne ein. Er ein junger Mann, wie man ihn in jedem urbanen Club treffen könnte. Modisch, smart gestylt. Die Orchestermitglieder wirken einem klassischen Ambiente eher angepasst, bis auf ein Käppi da oder ein paar Turnschuhe dort. Warum solche Äußerlichkeiten beschreiben, wenn es um Musik geht? Weil sie in diesem Fall Indizien sind fuer das, was vom ersten Ton an klar wird. hier reichen sich Welten die Hand, die nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben.

Klassik mit moderner Clubmusik zu verbinden ist eine Vision, die der in Istanbul geborene und klassisch ausgebildete Fagottist Burak Özdemir und das Berliner Barockensemble Musica Sequenza verfolgen, Junge, bestens ausgebildete Menschen, mit einer grossen Liebe zu Klassik und Barock, und einer ebenso grossen Liebe zu Techno. Dass Bach tanzbar ist und mehr, beweisen Özdemir und seine Musica Sequenza. Einfach machen sie es dabei nicht. Technoide, elektronische Beats bilden die rhythmische Basis der Stücke. Die Samples pumpen jedoch nicht einfach geradlinig durch, sondern sind durchsetzt mit scheppernden, klirrenden, sirrenden oder sägenden Geräuschen. Die Beats werden aufgebrochen, minimiert, wieder aufgeblasen. Einer solchen Struktur mit analogen Instrumenten zu folgen und dabei dynamisch zu bleiben, erfordert höchste Konzentration und im wahrsten Sinne des Wortes Fingerspitzengefühl. Das Ensemble wirkt trittsicher auf dieser Gratwanderung und verfügt zudem über eine Violinsolistin, Daniela Gubatz, die dem Sequenzer die Stirn bietet.Özdemir selbst wirkt locker, geht völlig in seiner Musik auf. Tanz, schraubt hier und da am Sequenzer. Nimmt das Fagott, sein Kerninstrument, und setzt es ein wie eine Singstimme, interpretiert damit Bachs Arien. Und zwar auf den Punkt.

Gesamtkunstwerk mit Substanz

So locker und verschmitzt Özdemir sich auch präsentiert, so sehr ist spürbar, dass der Komponist und Musiker sehr genau weiss, was er will und macht. Der musikalischen Dimension und mit ihr korrespondierend fügt er eine weitere hinzu, die visuelle. Tunnelfahrten, elektrische Drähte, durch die Luft schwingend, Roboterklone, sich ohne ersichtliches Ziel auf konturlos grünem Grund bewegend, im Zeitraffer sich öffnende Blüten und animierte Zeichnungen erzählen Geschichten aus unserer modernen Welt, kreisen um die alten und ewigen Fragen der Menschheit. Keine Effekthascherei, sondern Substanz. Das Publikum quittiert sie mit einem warmen und ehrlichen Applaus.Özdemir und die Musica Sequenza haben ein schönes, mutiges Gesamtkunstwerk geschaffen, das in seiner Komplexität auch hohe Anforderungen an die Technik stellt. Die Crew der Kammgarn hat diese Aufgabe wunderbar gemeistert. Inklusive Störgeräusche. 

   

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From Bach to the Present!..

 

Sampling Baroque: Exposing Bach. «Crossing the bridge from Bach to the present»

Der türkische Fagottist und Elektronik-Spezialist Burak Özdemir hat sich vorgenommen, aus seinem Instrument den letzten Hauch von klassischem Staub weg zu blasen. Das gelingt ihm so gut, dass die New York Times sein Spiel als «more than energetic» feierte. In der Schaffhauser Kammgarn ist er mit seinem Barockensemble Musica Sequenza zu Gast, das er aus Studienkollegen und Kolleginnen von der Julliard School und der UdK Berlin zusammengestellt hat. Ein Brückenschlag vom Leipziger Thomaskantor zur Gegenwart am Bosporus – und am Rhein. Tag und Nacht macht er Musik: komponiert, sampelt oder spielt einfach Fagott. Trotzdem, sagt Burak Özdemir, wird er wohl bis an sein Lebensende nicht verstehen wird, was ihre Magie ausmacht. Und wie es wohl kommt, dass sie eine ganze Menschenmenge zusammenbringen kann.

SF Radio Kultur 2 Musica Sequenza Burak Ozdemir

CONCERT REVIEW: SAMPLING BAROQUE/BACH

Er macht Mozart discotauglich: Fagottist Burak Özdemir

Der türkische Fagottist Burak Özdemir will aus seinem Instrument den letzten Hauch von klassischem Staub wegblasen: Er kombiniert klassische Musik mit Elektrosounds, Videokunst und Performance – und verwandelt den Konzertsaal schon mal in eine Disco.

Dass sich Burak Özdemir für ganz unterschiedliche Genres interessiert, kommt wohl nicht von ungefähr: Sein Vater ist Professor für Komposition am Istanbuler Konservatorium und Jazzpianist, die Mutter war Balletttänzerin. Der 31-Jährige tritt schon früh in die Fussstapfen seines Vaters. Seit seiner Kindheit komponiert Özdemir elektronische Musik am Computer, experimentiert mit verschiedenen Klängen und ist fasziniert von den schier endlosen Möglichkeiten der elektronischen Musik.

Fagott und Elektronik – das passt

Burak Özdemirs andere grosse Leidenschaft gilt dem Fagott, das schon mal zum Tanzpartner wird auf der Bühne. An seinem Instrument liebt Özdemir vor allem seinen Klang: «Zwar ist das Fagott sehr alt, ein Renaissanceinstrument, dennoch ist es heute immer noch exotisch und mysteriös. Sein Klang passt für meinen Geschmack sehr gut zur Elektronik.»

In Istanbul und Berlin studiert Özdemir das Instrument, darauf macht er ein Aufbaustudium in historischer Aufführungspraxis und Musiktechnologie in New York. Özdemir stellt fest, er braucht eine Plattform für seine Musik. Denn er will beides: klassische Musik und Elektro, das lässt sich bei ihm nicht so einfach trennen. «Das sind meine Leidenschaften und Stärken, das ging immer parallel», sagt er. Darum bildet er 2011 mit Studienkolleginnen und -kollegen das Ensemble Musica Sequenza.

Klang, Licht und Videografie

Mit seinem Ensemble steht Burak Özdemir seither regelmässig auf der Bühne – in Clubs, aber auch im klassischen Konzertsaal. Seine Konzerte sind Gesamtkunstwerke; ein Zusammenwirken aus Klang, Licht, Videografie und Performance ist für Özdemir genauso wichtig wie die Musik selbst. Wenn er vom Computer aus sein Ensemble dirigiert, sieht er mit seinen muskulösen Armen und seiner Glitzerweste aus wie ein DJ aus einem Berliner Club. Wäre da nicht sein Fagott, dem er die schönsten und sanftesten Töne entlockt, bekannte Melodien von Bach oder Händel etwa. «Die Barockmusik gibt viel Raum zur Improvisation, weil Tempo und Dynamik noch nicht so vorgegeben sind wie im 20. Jahrhundert. Da hat man die Möglichkeit, die Werke persönlich zu gestalten.»

Abtanzen zu Bach und Mozart

Dass die klassische Musik ausstirbt, kann sich Burak Özdemir nicht vorstellen. Auch wenn er glaubt, dass sie sich momentan sehr verändert. Immer mehr junge Künstler vermischen klassische Musik und Elektronik, Jazz, Improvisation und Pop in neuen Konzertformaten und zeigen, dass man sehr wohl auch zu klassischer Musik von Bach oder Mozart tanzen kann. Denn auch das hat Burak Özdemir schon erlebt bei seinen Konzerten mit Musica Sequenza: «Bei den schnellen Nummern tanzte das Publikum wie auf einer Techno-Tanzfläche. Wir Musiker waren davon total überrascht und spielten dann auch anders – das war etwas ganz Besonderes.» 

Journal Musica Sequenza Burak Ozdemir Logo Sampling Baroque Handel 1

PORTRAIT : MUSICA SEQUENZA

Klassik mal anders

Beim Recherchieren oder einfach beim gelegentlichen Herumstöbern stößt man regelmäßig auf Kleinode spezieller musikalischer Experimente, die den Weg in die Regale der meisten Plattenläden wegen des eher unkommerziellen Ziels nicht gefunden haben. Immer wieder beschäftigen sich Musiker aus verschiedensten musikalischen Umgebungen mit der Adaptation klassischer Werke, teils um sich selbst einen zweckgebundenen Traum zu erfüllen, teils um diese manchmal in monumentalen, großorchestralen Kreationen verpackten Meisterwerke in einer vereinfachten Form einem anderen, einem neuen Publikum zugänglich zu machen.

Fagott und Theorbe im Mittelpunkt

Auch für das Fagott gibt es nicht viele Solistenrollen. Der türkische Fagottspieler und Leiter des auf Barockmusik spezialisierten Ensembles „Musica Sequenza“ Burak Ozdemir hat auf dem Album „The Silent Cantata“ Arien, Choräle und Kantaten von Johann Sebastian Bach in rein instrumentalen Versionen für sein Instrument arrangiert.  

Hurriyet Borusan Musica Sequenza Burak Ozdemir IKSV Sampling Baroque Handel 1

 

PORTRAIT : BURAK ÖZDEMIR

Barok Pop, Burak’tan sorulur!

Juilliard doktoralı fagotçu Burak Özdemir, barok çağın konçerto ve operalarından elektronik uyarlamalarla Almanya’da beş yılda yeni bir müzik türü geliştirdi. Saygın plak firması Harmonia Mundi’den yeni yayımlanan albümünde Handel operalarını ele alan Özdemir, “Klasik müzik, kalıplarını kırıp geniş kitlelere ulaşmanın yolunu bulmalı” diyor.

Elinde Rönenans’tan kalma enstrümanı, arkasında konser salonlarını gece kulübüne dönüştüren elektronik efektli oda müziği topluluğuyla, barok müziğe ilgi duyan çevrelerin ağır ve akademik dünyasında sıra dışı bir şahsiyet Burak Özdemir. 12 yaşından beri cebinde teybiyle sokağa çıkıyor, günlük hayattan sesler kaydediyor. Bilgisayarda sentetik seslere dönüştürüyor kayıtlarını. 17-18’inci yüzyıl bestecilerinin ölümsüz eserlerini elektronik efektlerle birleştiriyor.

2011’den bu yana Almanya’da, barok icraların saygın plak firması Harmonia Mundi’den dört albümü yayımlandı. Grubu Musica Sequenza’yla (Müzikal Kesitler) kaydettiği Vivaldi, Bach, Rameau uyarlamalarından sonra, “Sampling Baroque / Baroku Dijitalleştirmek” adını verdiği serinin yeni albümü “Exposing Handel / Handel’i Ortaya Çıkarmak” haziranda piyasaya sunuldu.

ÖLÜMCÜL RİSK

Almanya’da, erken çağ müziğinin Reinhard Goebel, Konrad Junghänel, Thomas Albert gibi efsane icracılarının arasından sıyrılıp elektrik süpürgesi, fare kapanı, kırbaç efektleri eşliğinde Handel operası yorumlamak aslında sanatsal açıdan ölümcül olabilecek bir girişim. Fakat Özdemir’in çalışmaları övgüyle karşılanıyor. Eleştirmenler klasikten yapılan çoğu elektronik uyarlamanın asansör müziğinden öteye geçemediğini hatırlatıp, Musica Sequenza icralarındaki orkestrasyon kalitesinden bahsediyor. Hatta pek çok erken çağ icracısının müzikte ulaşamadığı akışkanlığı yakaladığı için tebrik ediliyor.

Musica Sequenza, Avrupa’da Bach, Handel adına düzenlenen saygın festivallerin, önemli konser salonlarının yanı sıra gece kulüplerinde sahneye çıkıyor, Özdemir’e festivallerden beste siparişleri geliyor. Burak Özdemir, klasik müziğin icrasıyla ilgili ritüellere muhalif. Kıyafetinden alkış prosedürüne katı kuralların dinleyicinin soluğunu kestiğini savunuyor. “Barok eserleri kulüplerde, kumsal partilerinde icra etmek, klasiğe yeni dinleyici kazandırmak istiyorum” diyor.  2008’de, bu düşüncesini New York’ta Juilliard  Konservatuvarı’nın ilk kez açacağı erken çağ müziği doktora programının giriş sınavında da söyledi. William Christie, Jordi Savall gibi isimlerin bulunduğu jürinin normalde onu en yakın çıkış kapısına yönlendirilmesi gerekirdi. Genç fagotçu birikimi, deneyimi, yeteneğiyle öylesine ikna edeciydi ki erken çağ müziğinde tam burslu doktora hakkını kazandı. Elektro-akustik hayallerini gerçekleştirme yolundaki ilk adımı Musica Sequenza’yı da Juilliard’da kurdu.

MOZART SIRADA

Özdemir’in repertuvarı 17-18’inci yüzyılda yazılan eserler, enstrümanı dönem çalgıları. Özellikle fagotun insan sesine yakın niteliğini ortaya çıkaran besteleri seçiyor. “Fagotla şarkı söylüyorum” diyor. Bu nedenle çoğu uyarlaması barok operalardan. Müziğini yüksek teknoloji ürünü elektronik donanımlarla cilalıyor. Exposing Handel albümünün hazırlıklarından bahsederken, Massive Attack’ın ses mühendisi Van Rivers’la New York’un önde gelen stüdyolarından birinde bir ay çalıştığını anlatıyor: “Beni özellikle L.A.’de ve New York’ta son zamanların pop albümlerinde çok tercih edilen efektlerle ve tekniklerle tanıştırdı.”

Sloganı “Yeni pop: barok.” Kendi özgün müzik türünü geliştirmekle gurur duyuyor:“Rakibimiz olmadığı için besteci ve yorumcu olarak bir süre daha bu alanda çalışmayı sürdüreceğim” diyor. Almanya’daki Sony / Harmonia Mundi ile imzaladığı plak anlaşması 2021’de bitecek. Kalan zamanda en az beş albüm daha yayımlamayı planlıyor.

2014’te yayımlanan Rameau A La Turque’de, Jean-Philippe Rameau’nun operalarından seçmeleri çağdaşı Tanburi Mustafa Çavuş’un eserleriyle seslendiren Özdemir, yakın gelecekte bir başka 18’inci yüzyıl Osmanlı bestecisini ele almayı planlıyor. Şu anda yeni sezon için Mozart programı hazırlamakla meşgul. Yaz boyunca 100 civarında eser inceleyip, seçtiği eserlerden müzikal kolajlar hazırlayacak.Türkiye’de Musica Sequenza’yla vereceği ilk konser henüz kesinleşmedi. Gelecek yaz bir festival kapsamında sahneye çıkması için görüşmeler sürüyor.

SESİNE, GİZEMLİ GÖRÜNÜMÜNE KAPILDI, FAGOTU SEÇTİ

Burak Özdemir (33), ünlü aranjörlerden Cengiz Özdemir’in oğlu. Çocuk korosunda müziğe başladı, sesinden ve gizemli görünümünden etkilendiği fagotu enstrüman seçti. İstanbul Konservatuvarı’nda öğrenim gördü. 12 yaşından itibaren elektronik müzikle ilgilendi, beste yaptı, kurduğu fagot-DJ ikilisiyle İstanbul Caz Festivali’ne katıldı. 2007’de Rahmi Koç’un BİFO’yu yönettiği konserin gelirlerinden elde edilen burslaBerlin Sanat Üniversitesi’nde barok fagot dalında yüksek lisansa başladı. Ardından tam burslu kabul edildiği Juilliard’da barok fagot ve müzik teknolojileri dallarındaki doktorasını 2010’da tamamladı. 2011’de Sony / Harmonia Mundi ile anlaşma imzalayıp Berlin’e yerleşti. Musica Sequenza’nın sanat yönetmenliğinin yanı sıra L’arte del Mondo’da fagot çalıyor, dizi, reklam müzikleri besteliyor. 

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PORTRAIT : MUSICA SEQUENZA & BURAK OZDEMIR

Yeni Pop: Barok

Bu slogan, Berlin’de yaşayan Juilliard doktoralı yenilikçi sanatçı Burak Özdemir tarafından geliştirilen yeni bir müzik türünün sloganı. Sizce, aralarında Corelli, H. Purcell, Vivaldi, Handel, J. S Bach gibi isimler sayabileceğimiz önemli bestecilerin eserler verdiği Barok müzik, pop müzik kadar yaygınlaşabilir mi?  Fagot sanatçısı Burak Özdemir, işte bu soru ile yola çıkmış. Klasik müziği konser salonlarından çıkarıp geniş kitlelerle buluşturmayı hedeflemiş ve görünüşe göre hedefine emin adımlarla ilerliyor.

Burak Özdemir, grubu Musica Sequenza ile performanslarını barok müziğe uygun bir şekilde elektronik efektlerle birleştirerek sergiliyor. Musica Sequenza, Avrupa’da Bach, Handel adına düzenlenen saygın festivaller ve önemli konser salonlarının yanı sıra gece kulüplerinde de sahneye çıkıyor. Eleştirmenler Burak Özdemir’in çalışmalarını övgüyle karşılıyor ve Musica Sequenza icralarındaki orkestrasyon kalitesinden bahsediyor.

Burak Özdemir, klasik müziğin icrasıyla ilgili, kıyafetinden alkış prosedürüne tüm katı kurallara karşı. “Barok eserleri kulüplerde, kumsal partilerinde icra etmek, klasiğe yeni dinleyici kazandırmak istiyorum” diyor.

Burak Özdemir ve grubunun Almanya’da, saygın plak firması Sony/ Harmonia Mundi’ etiketiyle Vivaldi, Rameau ve Bach uyarlamalarına yer verdikleri farklı albümleri yayımlandı.Son albümü “Sampling Baroque: Exposing Handel / Handel’i Ortaya Çıkarmak” ise haziran ayında piyasaya sunuldu.

2014’te yayımlanan Rameau A La Turque’de,  Tanburi Mustafa Çavuş’un eserlerine yer veren Özdemir, yakın gelecekte bir başka 18’inci yüzyıl Osmanlı bestecisini çalışmayı planlıyor.

Burak Özdemir ve grubu Musica Sequenza, Türkiye’de ne zaman bir konser verir henüz bilmiyoruz. Başarılarıyla gurur duyuyor, onlardan gelecek konser haberini heyecanla ve merakla bekliyoruz. 

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CD REVIEW: RAMEAU A LA TURQUE

Die originellste Mischung zum Rameau-Jahr

Wenn es einen Preis für die originellste CD anlässlich des Rameau-Jahres 2014 gäbe, dann hätte ihn Burak Ozdemir verdient: Er kombinierte Opernauszüge von Jean-Philippe Rameau mit osmanischer Barockmusik des Komponisten Tanburi Mustafa Çavuş. Und natürlich hat er alles selbst arrangiert und auf sein Ensemble Musica Sequenza zugeschnitten.

Exotisch mit europäischer Erdung

Auf der einen Seite erklingen Arien aus Rameaus Opéra-ballet „Les Indes galantes“, allerdings werden dabei die Gesangsstimmen fast durchgehend vom Fagott übernommen, die Begleitstimmen übernehmen einige wenige Streicher. Auf der anderen Seite sind Lieder von Tanburi Mustafa Çavuş zu hören, wiederum nur instrumental besetzt mit drei traditionellen türkischen Instrumenten, der Bambusflöte Ney, der Kastenzither Kanun und den kleinen Trommeln Kudüm. Doch damit nicht genug: An etlichen der Rameau-Stücke wirken auch die türkischen Musiker mit und verleihen damit den Opernarien einen zusätzlichen exotischen Klang. Umgekehrt spielen die Streicher und Ozdemir selbst am Fagott bei den Çavuş-Liedern mit, was diesen Stücken wiederum eine Art europäisch-barocke „Erdung“ verleiht.

Originell, nicht original

Und das Konzept geht auf: Die beiden weit entfernten barocken Welten prallen nicht beziehungslos aufeinander, sondern ermöglichen tatsächlich einen musikalischen Brückenschlag zwischen Paris und Istanbul. Das liegt einerseits an den Arrangements von Burak Ozdemir und an der sorgfältig aufeinander abgestimmten Reihenfolge der einzelnen Stücke. Aber es liegt auch am grundsätzlichen Charakter der Musik von Jean-Philippe Rameau: Vieles ist hier – wie allgemein in der französischen Barockmusik – vom Tanz, von der Bewegung und von perkussiven Effekten bestimmt, was seinen Gegenpart in der osmanischen Barockmusik findet. Und schließlich liegt es an der künstlerischen Person Ozdemir selbst, der einmal mehr mit seinem differenzierten Fagottspiel in beiden Welten zu Hause ist. Das Geheimnis liegt also in der Bearbeitung: Weder Rameau noch Çavuş erklingen original, wohl aber ist alles originell. 

WDR-3-logoCD REVIEW: RAMEAU A LA TURQUE

Özdemir überzeugt mit Ausdrucksstärke und Leidenschaft.

Burak Özdemir gehört zu einer neuen jungen Musikergeneration, die sich durch musikalische Vielseitigkeit auszeichnet und sich genreübergreifenden Herausforderungen stellt. Ob im Barock, Jazz oder in der elektronischen Musik – Özdemir überzeugt mit Ausdrucksstärke und Leidenschaft.

Der gebürtige Istanbuler Fagottist und Komponist Burak Özdemir schafft durch moderne Instrumentierung und innovative Inszenierung neue Verbindungen zwischen verschiedensten musikalischen Welten. Seine Kompositionen reichen von elektro-akustischen Werken für Ensembles und Musikproduktionen in den Bereichen Tanz, Theater und Film bis hin zu Arbeiten für Multimediaprojekte. Özdemirs erste Opernproduktion „Fuga – The Electro-Baroque Opera“ feiert 2010 im Baruch Black Box Theater in New York Premiere und verbindet barocke Tradition mit elektronischen und audiovisuellen Elementen.

Als Fagottist und künstlerischer Leiter des Solistenensembles Musica Sequenza verfolgt Özdemir das Ziel, Alte Musik in einen modernen Kontext zu stellen. Nach dem Überraschungserfolg des Debütalbums von „Musica Sequenza“ mit dem Titel „Vivaldi – The New Four Seasons“ erschienen „Bach: The Silent Cantata“ und „Rameau à la turque“. 

ORF1_logo.svgCD REVIEW: RAMEAU A LA TURQUE

Der originelle Austausch der beiden Welten ist hörenswert!

Die vielleicht originellste Mischung zum verflossenen Rameau-Jahr stammt vom türkischen Fagottisten Burak Ozdemir: Er kombinierte Opernauszüge von Jean-Philippe Rameau mit osmanischer Barockmusik des Komponisten Tanburi Mustafa Cavus. Und natürlich hat er alles selbst arrangiert und auf sein Ensemble Musica Sequenza zugeschnitten.

Auf der einen Seite erklingen Arien aus Rameaus Opéra-ballet „Les Indes galantes“, allerdings werden dabei die Gesangsstimmen fast durchgehend vom Fagott übernommen, die Begleitstimmen übernehmen einige wenige Streicher. Auf der anderen Seite sind Lieder von Tanburi Mustafa Cavus zu hören, wiederum nur instrumental besetzt mit drei traditionellen türkischen Instrumenten, der Bambusflöte Ney, der Kastenzither Kanun und den kleinen Trommeln Kudüm: Der originelle, nicht originale Austausch der beiden Welten ist durchaus hörenswert. Das ist kein beziehungsloses Nebeneinander, denn an einigen der Rameau-Stücke wirken auch die türkischen Musiker mit und verleihen damit den Opernarien einen zusätzlichen exotischen Klang. Umgekehrt sind die Streicher und Ozdemir bei den Cavus-Liedern mit dabei, was diesen Stücken wiederum eine Art europäisch-barocke „Erdung“ verleiht. 

602px-TAZ_Logo_2009 PORTRAIT: ARTISTIC DIRECTOR BURAK ÖZDEMIR

Neugierig auf die Buraks

Natürlich gehört die Türkei zu Europa. Unbestritten jedenfalls gehört jener Teil dazu, in dem das Borusan Müzik Evi, weltläufig auch Borusan Music House genannt, steht. Wir befinden uns hier im europäischen Teil Istanbuls, genauer: im Stadtteil Beyoglu, in Deutschland bekannt geworden durch Fatih Akins Film „Crossing the Bridge“, der die Metropole am Bosporus als lebendige Musikstadt zeichnet.

Der Fagottist Burak Özdemir tritt zusammen mit dem Ensemble Musica Sequenza auf. Özdemir, 28 Jahre jung und geboren in Istanbul, hat mit einem Stipendium der Borusan-Stiftung unter anderem an der Juilliard School in New York studiert – als erster Fagottist überhaupt.

Derzeit lebt und arbeitet er wieder in Berlin und ist daher so etwas wie ein Fleisch gewordener Beleg dafür, dass er schon lange lebt, der türkisch-deutsche Musikaustausch. Und dass man als Veranstalter einfach nur zugreifen muss.

Und weil das so schön ist, stellen Jochen Sandig für das Radialsystem und Ahmet Erenli für die Borusan-Stiftung sich vor dem Konzert gemeinsam vor das Berliner Publikum und strahlen um die Wette. Dies sei nur der Beginn einer langfristigen Kooperation, versprechen beide, und Sandig hofft auf „viele, viele Buraks“, die man ihm noch schicken werde aus Istanbul.

Der Burak, der an diesem Abend ein dankbares Berliner Publikum beglückt, spielt zusammen mit Musica Sequenza Vivaldi-Konzerte für Fagott, dazwischen auf dem Klavier eigene Kompositionen, und improvisiert im Anschluss an das eigentliche Konzert noch mit seinem Fagott im Duo mit DJ Ipek am Mischpult.

Eine insgesamt bestimmt erschöpfende Performance, die Burak Özdemir mit staunenswerter Energie bestreitet, und ein künstlerisch buntes Gemischtwarenangebot, das für alle etwas bietet und zeigt, dass der musikalische Brückenschlag wirklich in viele Richtungen möglich ist. Somit hat dieses Berliner Konzert etwas bezwingend Programmatisches für den geplanten regen Musikaustausch zwischen den Metropolen. Auf die anderen Buraks kann man schon neugierig sein. 

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CD REVIEW: RAMEAU A LA TURQUE

Un album tout lyrique!

Après tant d’éclat, la tranquille ballade proposée par Musica Sequenza pourra sembler fade. L’intitulé du disque d’ailleurs n’en annonce pas vraiment la couleur : « Rameau à la turque ». Prétexte, Les Indes Galantes avec son Entrée du Turc généreux. On s’attendrait à des janissaireries, mais non, Burak Ozdemir et ses amis font un album tout lyrique, tendre presque, uniquement instrumental. En regard des œuvres de Rameau, des compositions de son contemporain turque Tanburi Mustafa Cavus : un qanum, une flute ney, un kudüm contre l’imaginaire de Rameau, cela risquait d’être mince.

Mais au fil du disque l’échange se fait, un dialogue se noue, qui s’écoute et se réécoute à loisir. Décidément, chez Rameau en cette année, c’est chez tout le monde! 

qantara 1CONCERT REVIEW: RAMEAU A LA TURQUE

This is a man with a passion for fusion!

Orientalising Orientalism
This is a man with a passion for fusion. In his project „Rameau a la Turque“, the internationally celebrated Turkish bassoonist Burak Ozdemir builds a bridge between French Baroque and Ottoman seraglio music, creating a modern „Baroque groove“. Ceyda Nurtsch attended the CD launch concert in Berlin’s legendary Berghain club
The way leading to the Berghain club in Berlin’s Friedrichshain borough is messy this evening. It is a narrow, muddy path, at the end of which a huge concrete structure rises impressively into the black night. Berghain, long since well known outside Berlin, is one of the world’s archetypal techno clubs. Once a power station, the building is now synonymous with excess, darkrooms and thumping bass lines.
Yet in a place where techno beats and house music would normally thump out from the giant sound system, less familiar sounds are on the programme this evening. The chamber music ensemble Musica Sequenza, led by the Turkish bassoonist Burak Ozdemir, has invited the public to enjoy a musical crossover experience. The performance of the night is „Rameau a la Turque“, a fusion of parts of the ballet opera „Les Indes Galantes“ by the French Baroque composer Jean-Philipe Rameau with compositions by the Ottoman court musician Tanburi Mustafa Cavus, all arranged by Ozdemir himself.
The spotlight goes on and the nasal sound of the bassoon fills the air, accompanied by harpsichord and violin, at first hesitant, then growing more and more confident. The atmosphere is sacred and at the same time intimate. Three of the ensemble’s ten musicians play Oriental instruments: the ney (a reed flute), the qanun (an Oriental zither) and the rhythm instrument kudum. In Ozdemir’s fusion arrangement, his bassoon joins the ney to play Oriental melodies, or Oriental rhythms form the background to the Western Baroque court dance.

A Baroque hipster a la Turque
Ozdemir has styled himself as quite the Baroque hipster, his long, dark hair in a loose bun, a bow tie, glittery white shirt, blazer, knickerbockers and white socks. Light-footed and with minimal arm movements, he conducts the ensemble grouped around him, the other musicians dressed entirely in black. On stage, he comes across as a dreamy bird of paradise, yet in conversation he is attentive and focused. Born in 1983, Ozdemir has a CV that is best described as „impressive“ – music conservatory in Istanbul, studied at the University of the Arts in Berlin, PhD from the Juilliard School in New York and all kinds of projects, including one with the choreographer Sasha Walz. „It all developed organically,“ says Ozdemir, whose father was a professor of composition at the Istanbul music conservatory. Where does a Baroque bassoonist get such a passion for fusion, for performing in unusual locations? „That’s always been my focus,“ he says. He has always been intrigued by crossover: mixtures of electronic sounds and Baroque music, new interpretations like Vivaldi’s „Four Seasons“ or Bach’s „Silent Cantata“, Pergolesi with modern opera… Ozdemir loves to play with styles and epochs. His latest project „Rameau a la Turque“ was inspired by digging deeper into his own origins. His family is one of the few that has lived in Istanbul for many generations. „I discovered the many French traces in Istanbul; street names and street signs. French was my grandparents‘ language and my father learned through French when he studied at the conservatory. People in Istanbul followed Paris fashions very attentively, and at the same time there are Oriental motifs in eighteenth-century European painting,“ he says with enthusiasm. And so the idea to arrange the Oriental kudum, ney and qanun alongside Western Baroque instruments was born. In Ozdemir’s selected extract, „Le Turc genereux“ (the generous Turk) from Rameau’s Baroque opera, a merciful pasha grants freedom to a Christian woman he admires and the slave to whom her heart belongs. This is an example of „exotic love“ from this era and a motif taken up again some 90 years later by Wolfgang Amadeus Mozart in his singspiel „Die Entfuhrung aus dem Serail“.

Interweaving Western Baroque with Ottoman court music
By combining compositions by Rameau and his contemporary Tanburi Mustafa Cavus, who died in 1770, Ozdemir does more than just revive two almost forgotten composers and their works. By interweaving Western Baroque and Ottoman court music, he could be said to be orientalising Rameau’s Orientalism – tongue firmly in cheek, of course.
The contemporaries Rameau and Cavus came from two different musical traditions. Whereas French musical training was highly developed, at the Ottoman courts it was subject to strict regulations, only escaping from this rigid corset with Munir Nurettin Selcuk around 1900. The music of the Ottoman seraglio had to consist of a trio of ney, qanun and kudum, whereas Rameau could choose from any number of instruments, according to the sound he wanted to create. „The biggest difference“ says Ozdemir, „is that Western music is polyphonic, consisting of several melodic lines, whereas Ottoman music has a single voice.“ Yet he also sees common features. For example, the phrases and motifs in French Baroque were much shorter than they were in the later Romantic period. Short phrasing is also a feature of Ottoman music. „Another shared factor is that there is no information given in Baroque music as to how the instruments have to be tuned. There are different tuning systems such as Valotti or Werckmeister. We have something comparable in Oriental music with the makams, the melody types, like ussak or nihavend.“

Numerous challenges for all musicians involved
Working on the pieces presented the ensemble with a number of challenges. For example, the Oriental instrument-players had to get used to polyphonic structure, pauses and the right cues. For the players of Western instruments, on the other hand, it was a challenge to work out the right quarter tones and get used to 9/8 rhythms. „But I have good, solid musicians,“ says Ozdemir of his ensemble. The members of Musica Sequenza play on reconstructions of original Baroque instruments. For those used to digital sounds, the tone is slightly dull to begin with, yet over time, it develops warmth and depth, in the quieter pieces in particular. Whereas modern instruments have steel strings, eighteenth-century instruments use gut. The violin has a narrower body and there is more pressure on the bow, which creates a more focused sound than modern instruments. The wind instruments, in contrast, have fewer holes than today’s and are therefore simpler and less automated. „The musicians have to do more. They’re more flexible in timbre, which makes them similar to the ney,“ says Ozdemir. „Rameau a la Turque“ is a musical jewel by a sensitive young artist, whose previous work has rightly been praised by the „New York Times“ as „more than energetic“ – and from whom we are sure to hear more in the future. 

WAZ_logo CD REVIEW: BACH / THE SILENT CANTATA

Fagott lobt singend Gott

Der gute alte Johann Sebastian Bach hätte ihn wohl noch einen Mann aus dem Morgenland genannt – und gestaunt, dass Burak Özdemir schon als Chorknabe im fernen Istanbul zum Verehrer seiner Werke wurde. Heute ist Özdemir 30, Wahl-Berliner und ein brillanter Fagottist. Er hat seinen eigenen Weg gefunden, aus der Bach-Verehrung eine klingende Tugend zu machen, die über jene tiefen Holzblastöne hinausgeht, die wir von Brandenburgischen Konzerten bis Weihnachtsoratorium kennen.

„Silent Cantata“ („stumme Kantaten“) nennt Özdemir das Album, für das seine Arrangements die Gesangsstimme geistlicher Kantaten dem Fagott in die dunkle Kehle legen. Bemüht klingt das nie, sehr feierlich, oft bewegend und dank des prachtvoll federnd musizierenden Barockensembles „Musica Sequenza“ hell und strahlend. Nicht nur zur Passionszeit eine Empfehlung! 

kulturdellen logo PERFORMANCE REVIEW : OPERA DEL FUTURO

Electrified baroque music pumps from here!

One of the most interesting Berliner groups which, in its desire to renew the operatic art blurs genre boundaries and creates evocative hybrid forms, and that consciously seeks dialogue with other arts, is Musica Sequenza. Under the slogan „Baroque is the new pop“ they combine period instruments with synthesizers and heavy beats. Electrified baroque music pumps from here into the techno rhythm. Artistic director Burak Ozdemir has inter alia initiated a series titled „Opera del futuro „. 

Logo_Tip_Berlin CONCERT REVIEW: BACH / THE SILENT CANTATA

Barock is the new pop

Würde man den Fagottisten Burak Ozdemir fragen, ob barocke Musik nur etwas für alte Knochen ist, er würde einen vermutlich auslachen.

So ziert auch der Spruch „Barock is the new pop“ die Website seines Ensembles Musica Sequenza. Unter dem Thema „In Navitatem Domini“ laden die Musiker gemeinsam mit den Vokalsolisten der Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirche zu einem barocken Vorweihnachtskonzert, das es in sich hat.Zu hoeren gibt es Werke von Bach, Monteverdi, Cavalli, Charpentier und Buxtehude.

rbb_de_kultur_radioCD REVIEW: BACH / THE SILENT CANTATA

Virtuosität der Farben

Die Texte von Bachs Kantaten sind für viele Hörer ein Problem: unfreiwillig komisch in ihrer drastischen Bildsprache, zeitverhaftet in ihrer Theologie, schwer nachvollziehbar in ihrer Zerknirschung. Der in Istanbul geborene, in Berlin lebende Fagottist und Komponist Burak Özdemir spielt auf seiner CD „Bach: The Silent Cantata“ die Gesangstimme ausgewählter Arien auf dem Fagott, egal, ob Sopran, Alt, Tenor oder Bass – der Text fällt dabei natürlich weg und damit der Anlass für die sorgsam nach den Worten erfundenen Tonfiguren. Der Effekt ist lehrreich: Spontan folgt man nun der Musik in ihre innere Verästelung und dringt dabei tiefer vor, als wenn einem die Textwiederholungen vorschreiben würden, was man sich zu denken hat. Die Musik wirkt für sich selbst genommen zugespitzt auf ihre Struktur, im Hinblick auf ihre Aussage jedoch verallgemeinert und aus dem gedanklichen System des protestantischen Spätbarock befreit.

Dabei hat sich Özdemir relativ entlegene Stücke ausgesucht, keineswegs die Hits, und das ist auch konsequent: Wenn man den Text innerlich mitsingen könnte, würde sich die beschriebene Wirkung nicht einstellen. Ausgesucht aber hat er die Stücke, und das ist nun wirklich von dialektischer Raffinesse, nach den Texten. Verschwiegen, im Affekt der Musik aufgehoben und dennoch mitgedacht, ergeben sie in der Folge eine Dramaturgie von Verzweiflung, Einsamkeit und Aufgehobensein in der Liebe.

Man wird das so genau nicht nachvollziehen können. Auf der CD herrscht ein Übergewicht an ruhigen, melancholischen und komplizierten Stücken, auch in der Instrumentation ist sie bewusst weniger farbig als die Bachschen Originale mit ihren Bläserstimmen; das von Özdemir gegründete Ensemble Musica Sequenza begleitet nur mit Streichern. Aber diese strenge Reduktion zielt auf ein konzentriertes Hören – und das lohnt sich, weil Özdemir ein grandioser Musiker ist: Es ist eine Virtuosität jenseits schierer Fingerfertigkeit, eine Virtuosität der Farben, der Artikulation und des gesanglichen Ausdrucks, die sprachlicher Differenzierung sehr nahekommt. Und noch in die langsamsten Arien wie „Die Seele ruht in Jesu Händen“ aus „Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott“ oder „Bete aber auch dabei“ aus „Mache dich, mein Geist, bereit“ bringen Özdemir und sein Ensemble noch einen rhythmischen Puls und einen Swing, wie man ihn gerade im Bereich historischer Aufführungspraxis, der diese Musiker durch ihr Instrumentarium verpflichtet sind, selten hören kann. 

concerti_logo CD REVIEW: VIVALDI / THE NEW FOUR SEASONS

Locker, leicht und wohlklingend meistert

Nein, es ist doch keine Bearbeitung der Vier Jahreszeiten für Fagott Solo. Der türkische Fagottist Burak Ozdemir hat vielmehr vier der beinahe 40 Fagottkonzerte, die aus der Feder Antonio Vivaldis überliefert sind, ausgesucht und mit vier eigenen, an Vivaldis eigene Texte zu den Jahreszeiten angelehnte Gedichte zu einem eigenen Zyklus zusammengestellt. Zwar wirkt die Zuordnung der Musik zu Winter, Frühling, Sommer und Herbst etwas beliebig – umso schöner sind die Werke musiziert vom Ensemble Musica Sequenza, das Ozdemir 2008 an der New Yorker Juilliard School gründete. Ebenso selten zu hören sind die beiden Vivaldi-Kantaten, die der amerikanische Countertenor Daniel Burbeck zur CD beisteuert. Der bisher eher für seine Interpretationen Neuer Musik bekannte Sänger erweist sich als stilsicherer Vivaldi-Kenner, der alle Koloraturen locker, leicht und wohlklingend meistert. 

Tagesspiegel-Logo PORTRAIT: BURAK ÖZDEMIR

Vivaldi trifft Elektro

Der Musiker Burak Özdemir liebt barocke Klänge und modernen Elektrosound. Ganz schön weltläufig für seine 28 Jahre, der Typ. Weil er Türke, Deutscher, Amerikaner zugleich ist. Spürbar erprobt darin, Sprachen und Kulturkreise zu wechseln. Und bei aller Jungendhaftigkeit auch ziemlich professionell in Sachen Selbstmarketing. Bevor es ans Fotografieren geht, zückt Burak Özdemir erst mal die Puderquaste. Das Gesicht muss sitzen, die Wirkung stimmen. Das gilt für ihn persönlich genauso wie für seine Musik. Özdemir ist nicht nur ein virtuoser Fagott-Solist, sondern auch Komponist. Und er ist ein Feingeist. „Es tut mir weh, wenn Konzertsäle halb leer sind“, sagt er. Sicher tut es das, welcher Künstler tritt schon gerne vor leeren Stuhlreihen auf.

Doch ums sensible Künstlerego geht es ihm bei der Bemerkung gar nicht. „Wir wollen nicht, dass die klassische Musik stirbt“, sagt er. Darum versuche er mit den Kollegen der von ihm initiierten Musikerplattform Musica Sequenza ein jüngeres, sonst anderen musikalischen Genres anhängendes Publikum zur Klassik, genauer zu seinem Fach der Alten Musik zu holen. Das ist Özdemirs Mission. Wie die konkret aussieht? Etwa so wie beim Konzert am Freitag im Radialsystem V in Friedrichshain. Da stellt er mit Musica Sequenza sein Barockalbum „Vivaldi – The New Four Seasons“ vor, führt zusammen mit den Musikern und der seit 20 Jahren in der Berliner Clubszene aktiven DJane Ipek von ihm selbst geschriebene elektroakustische Kompositionen auf und lädt danach zur Aftershowparty. Also Vivaldi trifft Elektro plus Tanz – das klingt durchaus nach einem Altersgrenzen sprengenden Vergnügen.

Geboren und aufgewachsen ist Burak Özdemir in Istanbul. Nicht in der traditionellen türkischen-, sondern in der europäischen und amerikanischen Musiktradition. Sein Vater ist Professor für Komposition und Jazzpianist, die Mutter war Balletttänzerin. Und der kleine Burak hat mit fünf im Knabenchor gesungen, Klavierspielen gelernt und dann mit zehn Jahren mit dem Fagottunterricht begonnen. Das Instrument liebt er, weil es der menschlichen Stimme gleicht: „Das dunkle Timbre, die Intimität und die gesangliche Qualität.“ Dass die meisten Menschen nicht mal wissen, wie das mehr als 300 Jahre alte Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt klingt, von dem es mindestens zwei in jedem Orchester gibt, betrübt ihn. Dagegen spielt er bei jedem Auftritt an. Neulich erst auf einer Konzertreise mit Countertenor Andreas Scholl.

Was Burak Özdemir nach Berlin gebracht hat? Natürlich das Fagott. Eigentlich wollte er nur eins kaufen, an der Universität der Künste, in der Klasse des Fagott-Professors Eckart Hübner. Dann bleibt er 2005 kurzerhand da und schließt hier 2008 sein Studium ab. Clubs wie das Berghain, überhaupt die Elektroszene der Techno-Stadt Berlin inspirieren seine eigenen Kompositionen. „Berlin ist meine Basis, mein Zuhause.“ Außer der Wohnung in Prenzlauer Berg hat er inzwischen auch eine in New York, wo er noch ein Aufbaustudium Alte Musik, Komposition und Musiktechnologie an der berühmten Juilliard School drauf- setzte. UdK, Juilliard – so lässt sich leicht ein internationales Netzwerk junger Musiker weben, die sich einerseits für die historische Aufführungspraxis in der Alten Musik begeistern und andererseits kleinkarierte Genregrenzen wie Klassik, Elektronik, Neue Musik, Jazz nicht mehr akzeptieren.

Das Barock-Album „The New Four Seasons“ von Musica Sequenza gehört ins erstgenannte Genre. Titel und Konzept beziehen sich auf Antonio Vivaldis unkaputtbaren Klassik-Hit, die aus vier Violinkonzerten bestehenden „Vier Jahreszeiten“. Özdemir hat für seine neue Jahreszeiten vier unbekannte Vivaldi-Konzerte für Fagott, Streicher und Basso continuo ausgesucht und mit vier Gedichten zu einem Zyklus zusammengestellt. Es ginge ihm nicht nur darum, schöne Musik zu spielen, sagt der Mann, der so sichtlich die Schönheit verehrt. Vivaldis Jahreszeiten gebe es doch für den modernen Menschen, der im Sommer zum Skifahren fliegt und im Winter Erdbeeren isst, gar nicht mehr. Das mit Özdemirs warmen, lyrischen Fagottklängen im Ohr kritisch zu reflektieren, setzt beim Zuhörer allerdings einiges an Abstraktionsfähigkeit voraus. Das schert den Fagottisten nicht. Er gehört zu einer polyglotten Musikerelite, die niemandem nur leicht Konsumierbares verspricht. 

CD REVIEW: VIVALDI / THE NEW FOUR SEASONS

Eine herzerfrischende CD! (Fa-)Gott sei Dank!

Frisch, frech, unbekümmert

Auf seinem Debüt-Album hat das Alte Musik Ensemble „Musica Sequenza“ und der türkische Fagottist Burak Ozdemir eine neue Lesart der Vivaldischen „Vier Jahreszeiten“ vorgelegt – nicht als Violinkonzerte, sondern als Fagottkonzerte.

Die Welk ist schon ganz schön verdreht: „Wir essen Erdbeeren im Winter und entfliehen dem stürmischen Herbst in sonnige Regionen.“So schreibt Burak Ozdemir im Booklet der CD, und er meint damit, dass die saisonalen Eigenschaften längst nicht mehr bindend sind. Vor diesem Hintergrund hat er vier Vivaldische Fagottkonzerte ausgewählt und diese den vier Jahreszeiten zugeordnet. Nach dem Vorbild von Vivaldi hat er zu jedem Konzert (bzw. zu jeder Jahreszeit) zudem ein Gedicht geschrieben, das seinen „modernen“ Blick auf den Jahreslauf wiederspiegelt – auf winterliche Melancholie, auf frühlingshafte Sehnsüchte, auf sommerliche Leidenschaften und herbstliche Nachdenklichkeit..

Kräftige Bässe

Also:Die neuen Vier Jahreszeiten für Fagott und Orchester haben nichts mit den alten Vier Jahreszeiten für Violine und Orchester zu tun – ausser, dass beide von Vivaldi stammen. Dabei ist das klangliche Resultat verblüffend. Der Türke mit Wahlheimat Berlin und sein Ensemble, das sich aus Absolventen der renommierten New Yorker Juilliard School zusammensetzt, spielen Vivaldi mit glühendem Engagement und enormen Spielwitz – frische und frei, frech und unbekümmert. Geradezu atemberaubend ist die agile Virtuosität des Fagotts-Solisten, durchdringend kraftvoll sind die Bässe der „Musica Sequenza“, von rhetorischer Eloquenz die Violinen. Ergänzt wird das Quartett der Fagottkonzerte von zwei Vivaldischen Solo-Kantaten mit dem amerikanischen Countertenor Daniel Bubeck – dramatische Musik zwischen schmerzlicher Melancholie und furioser Raserei. Als Zugabe: Der Variationensatz „La Follia“ in dem Vivaldi das seinerzeit populäre Thema abwandelte. Eine herzerfischende CD – (Fa-)Gott sei Dank! 

CD REVIEW: VIVALDI / THE NEW FOUR SEASONS

So flink wie hier das Instrument selten zu erleben!

Zumindest nicht so, wie wir sie kennen. Und das bleibt auch so: Kein einziges Stück auf der CD stammt aus dem berühmten Zyklus – deshalb ist der Titel schon ein bisschen missverständlich. Aber, keine Sorge, der Komponistenname stimmt. Wo Vivaldi drauf steht, ist auch Vivaldi drin.

In der Hauptrolle: Der Fagottist und künstleriche Leiter Burak Ozdemr, der in Istanbul, Berlin und New York studiert hat. Er spielt vier von den 37 Fagottkonzerten Vivaldis und demonstriert dabei eine beeindruckende Virtuosität. So flink wie hier ist das Instrument selten zu erleben.

Ein eisschmelzender Sonnentraum

Alles schön und gut – aber was hat es nun mit den Jahreszeiten auf sich? Auch da landen wir wieder bei Ozdemir. Der türkische Allroundkönner ist nähmlich nicht bloss Fagottist, sondern ausserdem ein gefragter Performer, Medienkünstler und Autor. Er hat für jede Jahreszeit ein Gedicht geschrieben und ein passendes Konzert ausgewählt. Sein Winter klingt auf deutsch etwas so: „Ein eisschmelzender Sonnentraum kam durch mein Fenster. Seine Wärme erzählt Geschichten aus Übersee, wie ein Schmetterling: Ozdemirs Vivaldi- Arrangement beginnt im Winter und wandert über Frühling und Sommer bis in den Herbst mit seinem schattigen Licht.

Vivaldis jazziger Groove

Trotz einiger schöner Momente sind die Konzerte sicher kein Ersatz für die echten Vier Jahreszeiten – der Titel ist vor allem ein netter Marketing-Gag. Am hohen interpretatorischen Niveau ändert da nichts: Burak Ozdemir und sein Ensemble musizieren mit spritziger Energie und offenbaren uns einige neue Seiten des Komponisten. Zum Beispiel seinen beinahe jazzigen Groove.

Das Kammerorchester Musica Sequenza spielt federnd leicht und bettet den Solisten in einen sehr durchsichtigen Klang. Gerade wenn man denkt, och, jetzt ist aber auch gut mit dem Fagott, gibt’s eine kleine Überraschung. Mit zwei Vivaldi-Kantaten bringt der Altus Daniel Bubeck eine neue Farbe ins Spiel. Die ist allerdings nicht durchweg schön. Der amerikanische Sänger klingt in der Höhe mitunter etwas schrill und eine Spur hysterisch. 

CD REVIEW: VIVALDI / THE NEW FOUR SEASONS

Dunkles, warmes, intensives Fagotttimbre..

Wären Vivaldis „Quattro Stagioni“ nicht einem literarischen Programm – bestehend aus vier Jahreszeitengedichten – „auf den Leib komponiert“ und bezögen aus diesem ihren griffigen Titel sowie ihren unzerstörbaren zyklischen Zusammenhalt, dann hätten sie vielleicht niemals ihren außerordentlichen Bekanntheitsgrad erreicht: Schließlich sind sie ja auch nichts weiter als „nur“ vier Instrumentalconcerti mit Solovioline. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Burak Ozdemir, Fagottist und Leiter des Ensembles „Musica Sequenza“, augenzwinkernd vier nicht annähernd so bekannte Fagottkonzerte aus Vivaldis Feder kurzerhand zu einem Zyklus namens „Die neuen vier Jahreszeiten“ zusammenstellte und die dazugehörigen Gedichte, selbstverfasst, gleich mitliefert: Vielleicht hilft die kreative Maßnahme ja, auch diese Concerti einem breiteren Publikum zu vermitteln!

Nun, so ganz unbekannt sind sie vielleicht doch nicht, die Fagottkonzerte: Zumindest an das erste, hier als „Winter“ präsentierte, kann sich der Autor aus Jugendtagen gut erinnern. Klaus Thunemann hat es vor Jahrzehnten schon einmal sehr schön eingespielt. Das Thema des ersten Satzes gehört zu Vivaldis schönsten Einfällen – ebenso, wie die lapidare Allerweltsfloskel, mit der Vivaldi seine herrliche Idee nach allzu wenigen Takten schon abkadenziert, was typisch für das Naturell dieses Meisters ist: Bach hätte dem Themenkopf sicher eine lange Fortspinnungsphase folgen lassen. Aber so ist eben Vivaldi: quirlig, sprunghaft, oft kurzatmig – den Musikern fordern diese Charaktereigenschaften, zumal in Zeiten der stets rasanten historisierenden Herangehensweise, ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und Präzision ab. In dieser Hinsicht gibt es auf der vorliegenden CD Mängel: Bei den zahllosen kurzen Streicher- und Continuoeinwürfen ist man leider nicht immer hundertprozentig zusammen. Verbindend wirkt, trotz der genannten kleinen Unschärfen, Burak Ozdemirs dunkles, warmes, intensives Fagotttimbre; besser, leidenschaftlicher als er kann man für diese schönen Concerti wohl kaum werben. 

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Homogen und sensible 

Sie fanden sich an der New Yorker Juilliard School, begeistern sich für historische Aufführungspraxis und befinden sich ständig auf der Suche nach unentdeckten,barocken Musikschätzen. Nun hat das Alte Musik-Ensemble Musica Sequenza unter seinem Leiter, dem Fagottisten Burak Ozdemir, vier Fagott-Konzerte von Antonio Vivaldi geborgen und eingespielt. Klangmalerei vom Feinsten kam bei diesem homogen und sensible aufeinander reagierenden Zusammenspiel zwischen Ensemble und dem Solisten heraus. Der begeistert mit warmer, weicher Tongebung und grosser Virtuosität. Sehr hörenswert auch die zwei Kantaten Vivaldis, in denen Countertenor Daniel Bubeck melismenreich von unglücklicher Liebe singt und dabei wunderbar winterliche Melancholie und frühlingshafte Sehnsucht verströmt. 

CD REVIEW: VIVALDI / THE NEW FOUR SEASONS

Ein überraschendes Klangerlebnis! 

Vivaldi im Zeichen der Globalisierung

Das Barockensemble Musica Sequenza lässt sich mit dem Titel seiner neuesten Produktion, „The New Four Seasons“, auf ein überraschendes Klangerlebnis schliessen.

2008 von Burak Ozdemir, einem Fagottisten und Komponisten mit türkischen Wurzeln, gegründet, konzertiert das Ensemble Musica Sequenza nicht nur in den Konzertsälen New Yorks, sondern überrascht auch international mit Konzertprogrammen von der Renaissance bis zu Klassik. Hauptanliegen ist dabei das Auffuhren weitgehend unbekannter Werke aus dem Bereich der Alten Musik. Die jungen Mitglieder des Ensembles, stammen gemeinschaftlich von der Juilliard School und teilen zudem die Faszination für historisch informierte Aufführungspraxis. Sie bedienen sich dabei aber sowohl moderner wie auch historischer Instrumente.

Die Natur inklusive der Naturgewalten wie Blitz, Donner und Wind regte im Barock zu tonmalerischer Gestaltung an. In Vivaldis Violinkonzert-Zyklus „Le quattro stagioni“ wechseln sich saisonale und „klimatische“ Besonderheiten ab. Das Grundgerüst von Vivaldis kompositorischer Vorlage wird von Burak Ozdemir aufgegriffen, jedoch inhaltlich und chronologisch verändert. Wir Menschen hätten durch die Gewohnheiten moderner Lebensführung die Jahreszeitenkonnotationen verändert neu geprägt, so Ozdemir. So stellt er bewusst den Winter an den Anfang.

Generalbass mit gewandter Gelenkigkeit

37 Fagott-Konzerte komponierte Vivaldi, über deren Publikation und Widmungen nur wenig bekannt ist. Meist wird das von Vivaldi geleitete Mädchenorchester des Ospedale della Pieta in einen Zusammenhang mit den Fagott-Kompositionen gebracht, ohne nähere Bedingungen bestimmen zu können. Vier ausgewählte Konzerte für Fagott, Streicher und Basso continuo bilden das Zentrum von Ozdemirs „neuen Jahreszeiten“, in denen die Stimmunspalette der über die Zeit veränderten, aber in ihren Wesenzügen dennoch gleichgebliebenen Bewusstseins- und Wahrnehmungszustände des modernen Menschen zu den Jahreszeiten aufgefächert wird: Es  scheint, als haben sich die Grundmuster, nicht aber die Farben verändert. Das Fagott überrascht dabei mit virtuosem Auftreten souveränen Leichtigkeit, mit der sie hier gestaltet werden.

Gefühlswelten im medialen Terminus

Ozdemir fügt seiner musikalischen Interpretation der Jahreszeiten unter dem Prägestempel der Modernisierung und Globalisierung zudem vier kurze Gedichte hinzu, in denen das Erleben der Jahreszeiten und dessen Besonderheiten von einem lyrischen Ich und damit durch den Filter der subjektiven Wahrnehmung erzählt wird. Das menschliche Empfinden, wie es in Ozdemirs Zeilen widerhallt, steht im Gegensatz zu Vivaldis rein deskriptiven Sonetten der vier Jahreszeiten. Damit unterstreicht Ozdemir den Grundgedanken dieser Produktion, die von zwei Kantaten ergänzt wird. 

CD REVIEW: VIVALDI / THE NEW FOUR SEASONS

Ciò che conta è l’eccellente qualità del solista e del complesso da lui guidato

Il titolo „Le nuove quattro stagioni“ non tragga in inganno: i celebri primi quattro concerto del „Cimento dell’armonia e dell’invenzione“ non c’entrano nulla. Il fagottista turco Burak Ozdemir ha scelto quattro bellissimi concerti per faogotto, li ha rehistrati molto bene con l’ensemble barocco di cui e direttore, Musica Sequenza della Juilliard School di New York, e per ciascuno ha scritto quattro versi che dovrebbero avere la funzione dei sonetti legati alle stagioni di Vivaldi. Cio che conta e l’eecellente qualita del solista e del complesso da lui guidato. Apprezziamo inoltre Ozdemir come direttore e il suo gruppo nella cantata „Cessate, omai cessate: R684, mentre l’altra, „Care selve, amici prati“ R671, impegna solo la voce e il basso continuo. Le voce e quella gradevole deil controtenore Daniel Bubeck, che ha pero il limite di una dizione tutt’altro che impeccabile. Conclude in bellezza l’ultima Sonata a tre dell’op. 1, una serie di estrose variazioni sul celebre tema della „follia“: cosi il cd propone tre aspetti non inesplorati, ma certamente non molto frequentati del genio di Vivaldi in interpretazioni di alto livello. 

CD REVIEW: VIVALDI / THE NEW FOUR SEASONS

Wunderbare Vivaldi-Aufnahmen mit dem jungen türkischen Fagottisten und „Bandleader“ Burak Ozdemir

Was verbirgt sich hinter diesem Titel „The New Four Seasons“? Zunächst einmal: keine Bearbeitung des berühmten Zyklus für Violine. Burak Özdemir hat in Istanbul, Berlin und an der New Yorker Juillard School studiert. Er gehört zu einer neuen jungen Musikergeneration, die sich durch Vielseitigkeit auszeichnet. Der Fagottist und Ensembleleiter komponiert auch und schreibt – z.B. Gedichte zu den Jahreszeiten. Zu diesen Gedichten hat er vier Fagottkonzerte von Antonio Vivaldi ausgewählt, die er den Jahreszeiten zuordnet und beginnend mit dem Winter zu einem Zyklus arrangiert. Auf Deutsch übersetzt klingt der Herbst für Özdemir ungefähr so: Schlag‘ eine neue Seite eines Buchs auf, bin nicht ruhig genug, sie zu Ende zu lesen.

Mein Kaffee ist kalt, hab‘ keine Hände zum Kochen.

Es ist die „ein rotes Blatt fehlt am Baum“ Woche.

Vivaldi führt das Fagott wie eine Gesangsstimme, so dass Burak Özdemir sowohl die Klangschönheit seines Instruments als auch seine eigene Virtuosität unter Beweis stellen kann. Außer den vier kreativ zusammengestellten und von Musica Sequenza und Burak Özdemir vorzüglich eingespielten Fagottkonzerten sind auf der CD auch noch weitere Werke Vivaldis zu hören: zwei vom amerikanischen Altus Daniel Bubeck gesungene Kantaten sowie die berühmten Follia-Variationen, die immer eine Freude sind. 

CD REVIEW: VIVALDI / THE NEW FOUR SEASONS

Zweimal warmer, satter, voller Sound

Die „neuen Vier Jahreszeiten“ beginnen mit dem Winter, nicht mit dem Frühling. Denn die Welt hat sich verändert: Klimawandel und verrückte Lebensgewohnheiten – wie Erdbeeren im Dezember. Das hat Burak Özdemir, Fagottist und Musica-Sequenza-Leiter, bei seiner Auswahl von Vivaldis Fagottkonzerten bedacht. 

CONCERT REVIEW: CARL PHILIPP EMANUEL BACH 

More than energetic!

More than the energetic Burak Ozdemir, a Turkish bassoonist, in C.P.E. Bach’s Concerto for Bassoon and Strings in A (Wq. 172)

On the prime aspects of each of the previous sessions: expressivity and sound, to move beyond surface dexterity and brilliance to find the sense, the meaning behind the notes. Moving beyond narrow early-music dogma and re-embracing vibrato, not as a uniform all-purpose varnish but as an expressive device to be applied variably at moments of high intensity. 

CONCERT REVIEW: FRANCOIS COUPERIN

Virtuoso Dialog auf dem Fagott

Die beiden Berliner Musiker harmonierten prächtig bei ihrem Konzert in Aldingen.

Jochen Schneider und Burak Özdemir sind Meister der leisen Töne. Das zeigte sich am Sonntag bei ihrem Konzert in der Margaretenkirche im Remsecker Stadtteil Aldingen, wo die beiden französische Fagottmusik vom Barock bis zur Moderne vortrugen.

Für Jochen Schneider war das Konzert ein Heimspiel. Der Musiker wuchs in Remseck auf und nahm an der dortigen Jugendmusikschule erstmals Fagottunterricht. Nach Abschluss seines Fagottstudiums in Stuttgart zog er 1995 nach Berlin, wo er sich intensiv mit zeitgenössischer Musik beschäftigte. Später wandte er sich der Aufführung historischer Musik auf Originalinstrumenten zu. Längst wird er von zahlreichen Ensembles geschätzt, spielt unter anderem bei Capella Vitalis Berlin und im Taffanel-Bläser-Quintett.

Bei seinem Besuch in Remseck die bei dem Konzert eingenommenen Spenden fließen in die Renovierung der Margarethenkirche wurde Schneider von Burak Özdemir begleitet, der bereits als Solist mit den Istanbuler Philharmonikern und dem Orchester des Französischen Doms Berlin auftrat. In New York gründete Özdemir sein eigenes Ensemble Musica Sequenza. Nun lebt der Musiker wieder in seinem früheren Wohnort Berlin, wo er unter anderem mit seinem alten Bekannten Jochen Schneider musiziert.

In der Margaretenkirche trugen die beiden ausschließlich französische Fagottmusik vor. Von der Barockzeit (François Couperin) ausgehend, arbeiteten sie sich bis zur klassischen Moderne eines Sergej Prokofjew und Igor Strawinsky vor. Zwar sind die Letzteren keine geborenen Franzosen, „aber beide haben ihre wichtigste Zeit als Komponisten von 1900 bis 1930 in Paris verbracht“, erläuterte Schneider. Prokofjew und Fagott – da denkt natürlich jeder sofort an den Großvater aus Prokofjews Klassiker „Peter und der Wolf“. Schneider und Özdemir spielten allerdings das Phantasme aus den „Visions fugitives“. Wie bei allen Stücken ergab sich ein erbaulicher deutsch-türkischer Dialog auf dem Fagott. Öz- demir strotzte geradezu vor Spielfreude, schunkelte und wippte um die Wette.

In den Pausen ordnete Schneider die Stücke dankenswerterweise ein, etwa die Sonate D-Dur aus den „Six petites Sonates“ von Etienne Ozi. Dieser war Lehrer am Pariser Konservatorium, das 1790 gegründet wurde. Dort mussten sich seine Schüler, mitten in den Wirren der Französischen Revolution, an Ozis Kompositionen abmühen – die Franzosen sind eben ein echtes Kulturvolk, das auch in politisch bewegten Zeiten der Muße zugeneigt ist. 

PERFORMANCE REVIEW:  FUGA – THE ELECTRO-BAROQUE OPERA

New York’ta Özdemir’in Fuga operası sahnelendi

Genç ve başarılı müzisyen Burak Özdemir’in „Fuga“ adlı elektro-barok operası New York’ta sahnelendi.

Baruch Sanat Merkezinde iki gece üst üste sahnelenen „Fuga“ adlı eserinde Burak Özdemir, genç insanların nasıl kolayca uyuşturucu kullanmaya başladıklarını anlatarak uyuşturucu kullanımıyla mücadele edilmesi gerektiğini dile getiriyor. Aralarında Yavuz Hakzede isimli oyuncunun da bulunduğu 5 Amerikalı tarafından oynanan 70 dakikalık „Fuga“ (Kaçış) adlı elektro-barok operasının video tasarımını İtalya’da yaşayan görsel sanatçı Esril Erdoğan, dans koreografisini başarılı dansçı Korhan Başaran yaptı. Aslen fagot sanatçısı olan Burak Özdemir’in kendi kurduğu „Musica Sequenza“ adlı Barok Oda Müziği grubu da, Özdemir’in yönetiminde sahne aldı. İzleyenlere son derece yaratıcı ve farklı gelen elektro-operanın ardından yanıtlayan Özdemir, Latince „kaçış“ anlamına gelen „Fuga“nın Barok müziği dönemine damgasını vurmuş çok önemli bir müzik formu olduğunu belirtti.

Eserin kahramanlarının uyuşturucu kullanarak „gerçek hayattan kendilerini soyutlayıp kendi gerçekliklerini yaratmayı hedeflediklerini, ancak sonuçta gerçekten kaçamadıklarını“ söyleyen Özdemir, „Uyuşturucunun bir kaçış olmadığını anlatmak istedim, bu anlamda yetişkinlere yönelik bu eserin eğitimsel yönü de var“ dedi. Özdemir, bir çocukluk arkadaşını aşırı dozda uyuşturucudan kaybetmesinin kendisini derinden etkilediğini ve bu eserin temellerinin uzun bir zaman önce atıldığını anlattı. Daha önce tiyatro eserleri için müzik bestelediğini, ancak ilk kez bir elektro-opera yazıp bestelediğini ve yönettiğini anlatan Özdemir, eserinde klasik barok müzikle, elektro müziği biraraya getirdiğini, iki ayrı tür müzik dinleyicisine de hitap etmek istediğini söyledi.

Klasik müzik eğitimi alan ve halen ABD’nin en iyi müzik okullarından New York’ta „Julliard School“ da doktora eğitimine devam eden Özdemir, genç kuşak müzisyen olarak daha çok sayıda genç müzikseveri değişik eserlerle operaya çekmek istediğini, bunu üzerine düşen bir sorumluluk olarak gördüğünü, klasik müzik dinleyicisinin dünyada giderek azalmasından dolayı endişeli olduğunu ifade etti. „Fuga“da toplam 40 kişilik bir ekibin görev aldığını anlatan Özdemir, „Çok heyecan verici bir deneyim oldu, kendi grubum Musica Sequenza’da olduğu gibi bu ekip de tamamen uluslararası bir ekip“ dedi. New York’ta üst üste iki gece sahnelenen eserini dünyanın başka yerlerine taşımak istediğini belirten Özdemir, kendisine destek veren Borusan Kültür ve Sanat Vakfı, Asım Kocabıyık Eğitim Vakfı ve Amerikan Türk Cemiyetine teşekkür ettiğini söyledi.

CONCERT REVIEW: BACH / THE SILENT CANTATA

Bachs Musik braucht keine Worte!

 

Es war nicht Burak Ozdemirs Anliegen, Bachs Kantaten das Religiöse zu nehmen, aber es ist der angenehme Nebeneffekt seines Bach-Projektes. Der Fagottist hat die Gesangstimmen in den geistlichen Kantaten durch sein Fagott ersetzt. Die emotionale Kraft der Werke ist geblieben, und so wird bewiesen: Bachs Musik braucht keine Worte, um ihre Macht zu entfalten. 

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Müzik estetiğinin doruklarında bir sanatçı

Kelimelerin kifayetsiz kaldığı bazı durumlar vardır. Sanatçının sanatına karşı hissettiğiniz hayranlığın bir ifadesi olarak belki yüzlerce kez albümünü dinleyebilir, yeni çalışmalarını herkesten önce öğrenmeye can atabilirsiniz. İcralarını öyle beğenirsiniz ki, sanki o eserleri ilk kez dinliyormuşçasına heyecanlanırsınız. İşte Burak Özdemir’in sanatına duyduğum hayranlık böyle bir şey. Takdir duygusu, müzisyen ruhuna duyduğum büyük saygı ve işlerinin bütününe baktığımda hissettiğim kusursuz estetik yapı. Burak Özdemir, Avrupa ve ABD’de büyük övgüler alıyor; fagotu ve grubu Musica Sequenza ile dünyayı birbirine katıyor. Ülkemizde sahneye çıkacağı günü ise büyük bir sabırsızlıkla bekliyor. Geçen yıl Deutsche Harmonia Mundi’den çıkan başarılı kaydı The New Four Seasons tüm dünyadan büyük övgüler aldı. 19 Kasım’da dünya piyasasına yine aynı etiketle çıkacak olan yeni albümü Bach: The Silent Cantata öncesinde sanatçımızla dereden tepeden sohbet ettik. 

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Beschert ein Klangerlebnis, das es so noch nie gab

Burak Ozdemir, der in Istanbul geborene Fagottist und Gründer des renommierten Barockensembles Musica Sequenza, hat aus 13 geistlichen Kantaten, die in Bachs schaffensreiche Leipziger Zeit ab 1723 fallen, Arien und Choräle ausgewählt und für Fagott sowie für die Musiker seines Ensembles neu eingerichtet. An Stelle der Kantatentexte tritt eine so emotionale und ausdrucksstarke Musik, die sich ganz ohne Worte überträgt. Die Gesangsstimmen übernimmt Ozdemir mit dem Fagott, das sich souverän und unglaublich gefühlvoll durch die Kompositionen Bachs bewegt. Dabei hat der Juilliard School-Absolvent die einzelnen Kantatensätze dramaturgisch zu einer zweiteiligen Erzählung zusammengestellt, die an eine Passionsgeschichte erinnert.
Als Teil einer neuen Musikergeneration zeichnet sich das Ensemble Musica Sequenza unter künstlerischer Leitung von Ozdemir durch Vielseitigkeit, Leidenschaft und Innovation aus. Die jungen Absolventen der Juilliard School New York und der Universität der Künste Berlin stellen Alte Musik beeindruckend in einen neuen Kontext. 

metropolkultur-logo-bigCONCERT REVIEW: BACH / THE SILENT CANTATA

Ein pulsierender Ton, der den Zuhörer gefangen nimmt

Am Eingang Jungs mit breiten Schultern, die einem das Fotografieren verbieten. Und zwar so, dass man auch wirklich gleich die Lust am Fotografieren verliert. Innen rohe Betonwände, Eisengitter, dunkle Ecken, Flaschenbier. Von der Decke hängen Lautsprecher, so groß wie ein Smart.Eine Konstellation, bei der man nicht unbedingt an Johann Sebastian Bach denkt, sondern eher an das Berghain. Den einstmals angeblich besten Techno-Club der Welt. Heute noch mit einem legendären Ruf. Junge Touristen bis aus Argentinien und Australien reisen extra dafür an, stehen stundenlang in der Schlange vor der Türe. Nur um dann zu erfahren, dass sie nicht rein dürfen.

Jetzt durften ausnahmsweise mal alle rein, die in der Lage waren, 19 Euro Eintritt zu bezahlen. Die Töne klangen allerdings erheblich anders als sonst. Kein Wummern, sondern ein sanfter barocker Streicherklang . Der Titel der Veranstaltung: “The Silent Cantata”. Auf der Bühne mitten in der Panorama-Bar: Burak Özdemir und sein Ensemble Musica Sequenza. Die Musiker spielten Auszüge aus Bachs Kantaten. Moment mal: Kantaten? Haben wir da nicht mal gelernt, dass die gesungen werden? Stimmt. Aber das ist auch der ganz besondere Reiz des Abends. Denn die tragende Stimme der Kantaten stammt eben nicht aus dem Munde eines Sängers, sondern von Burak Özdemirs Fagott. Ein Experiment. Schafft es ein Instrument, die menschliche Stimme vergessen zu machen? Wohl eher nicht, zumindest nicht einen ganzen Abend lang. Aber: Das ist auch gar nicht nötig, denn es entsteht etwas ganz anderes daraus als die gewohnten Kantaten. Ein pulsierender Ton, der den Zuhörer gefangen nimmt. Und das auch noch in der unwirtlichen Umgebung eines ehemaligen Heizkraftwerks.

Das Berghain hat als Veranstaltungsort für klassische Kultur inzwischen einen guten Ruf. Simon Halsey und sein Berliner Rundfunkchor führten hier Gustav Holsts Choral Hymnus from the Rig Veda auf. Das Staatsballett zeigte das Stück “Masse”. Es ist fast immer ausverkauft. Das lag am herausragenden Programm. Aber auch ein wenig am Grusel, den brave Bildungsbürger schon beim Betreten des Berghain erfahren. Selbst wenn sie da nur Johann Sebastian Bach begegnen. 

Tagesspiegel Tickets Burak Ozdemir Musica Sequenza Vivaldi 4 Seasons 1

CONCERT REVIEW: VIVALDI / THE NEW FOUR SEASONS

Die wunderbar groovige Fassung!

Es gibt wohl kaum ein barockes Musikstück, das so abgenudelt ist wie Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Zur Abwechslung hat Ausnahmefagottist Burak Ozdemir nun für seine „The New Four Seasons“ aus Vivaldis 40 Fagottkonzerten vier ausgewählt, die in seinen Augen zu Frühling, Sommer, Herbst und Winter passen. Zusammen mit seinem Ensemble Musica Sequenza präsentiert er diese wunderbar groovige Fassung im Radialsystem V in Berlin.  

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Einer der besten Fagottisten seiner Generation!

Einer der besten Fagottisten seiner Generation, Burak Özdemir, präsentiert am 30. November 2012 gemeinsam mit dem jungen Barockensemble Musica Sequenza knapp drei Jahrhunderte nach Antonio Vivaldis berühmtem Violin-Konzert-Zyklus „Le quattro stagioni“ eine eigene Version der „Vier Jahreszeiten“ im Radialsystem V.

Vier Gedichte von Burak Özdemir beschreiben die Empfindungen des Menschen im Jahreszeitenwechsel und werden jeweils mit einem nicht dem Zyklus „Le quattro stagioni“ entstammenden Vivaldi-Konzert für Fagott, Streicher und Basso continuo zusammengeführt. Während des Konzertes werden auch elektro-akustische Werke Özdemirs von Musica Sequenza und DJ Ipek aufgeführt – Vivaldis Barockklang trifft auf zeitgenössischen Elektro-Sound und Jazz-Improvisationen. 

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Ein neues virtuoses Konzertstück

Man kann dieses Konzeptalbum des Fagottisten Burak Ozdemir auf zwei Arten hören. Folgt man den Anweisungen – sagen wir den Anregungen – des Booklets, geht es um ein »besonderes spirituelles Klangerlebnis«, das durch die Aneinanderreihung von Arien aus Bach-Kantaten entsteht, bei denen die Gesangsstimme durch das Fagott ersetzt wurde. »Silent Cantata«, so der Titel des Albums, meint ohne Gesangstexte. Gleichwohl hat Ozdemir die 13 Nummern zu einer »zweiteiligen Erzählung« gruppiert, die einer »Passionsgeschichte nahekommt«. Auch mit den Hörhilfen wie »der Mensch sehnt sich nach Liebe« oder »Meine Seele fühlt sich wohl« fällt es dem Rezensenten schwer, sich ohne Esoterik einen solchen neuen Gehalt dieser Musikstücke anzueignen. Die zweite Art, diese Einspielung zu hören, ist auf eine handwerklich musikalische Art. Da fällt zunächst der intensive Ton von Ozdemirs Fagott auf, der nichts Schnarrendes mehr hat, der fast wie der eines Zinks oder einer Violine klingt. In manchen Arien gelingt es Ozdemir tatsächlich, die Musik in ein neues virtuoses Konzertstück umzuwandeln, wie in der Tenorarie »Des Vaters Stimme ließ sich hören« aus BWV 7. Hier fügen sich die lang gezogenen kantablen Fagottlinien zu den Soloviolinen. Anders in der Sopranarie »Die Seele ruht in Jesu Händen« aus BWV 127. Hier setzt sich das Fagott schlecht vom Orgelcontinuo ab. Außerdem bezieht der Satz im Original seinen klanglichen Reiz aus dem Gegensatz des Instrumentaltrios aus Oboe und Blockflöten zu dem in relativ tiefer Lage singenden Sopran. Dieser Klangreiz ist in der Bearbeitung verloren gegangen. In dieser Weise lässt sich bei jeder Nummer Gelungenes oder weniger Gelungenes finden. 

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Özdemir is a great musician with virtuosity far beyond sheer dexterity.

The texts of Bach’s cantatas are problematic for many listeners in that they can be unintentionally humorous in their dramatic imagery, anachronistic in their theology or uncomfortable in their admission of guilt. In his “Bach: The Silent Cantata,” Burak Özdemir, born in Istanbul and now living in Berlin, drops the texts from the vocal lines of selected arias, whether they were originally intended for a soprano, alto, tenor or bass, and plays them on his bassoon. Without the text, the cause for the carefully contrived musical figuration falls away, and Özdemir creates an effect that is instructive. Since the music has been freed from the conceptual framework of the Protestant late Baroque, the text no longer dictates what must be thought. Now the listener can spontaneously investigate the music and delve more deeply into its meaning.

Özdemir has chosen relatively obscure sections of Bach cantatas, not the hits, making it unlikely that any listeners will try to sing along and thereby reinforcing the desired effect. But yet, with dialectical sophistication, he has carefully selected the pieces exactly because of their texts. The underlying, secretive affects of the music result in a dramatic progression of despair, loneliness and an eventual envelopment by love itself.

But not all listeners will understand the CD in this way. The quiet, melancholic and complicated pieces are accompanied by strings alone in arrangements that are deliberately less colorful than the Bach originals with winds. These reductions, performed by Musica Sequenza, deserve concentrated listening, and it is worth it, because Özdemir is a great musician with virtuosity far beyond sheer dexterity. With his variety of colors, articulation and vocal expression, his bassoon playing comes close to resembling patterns of speech, and even in the slowest arias, such as Die Seele ruht in Jesu Händen from Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott (BWV 127) or Bete aber auch dabei from Mache dich, mein Geist, bereit (BWV 115), Özdemir and his ensemble have a rhythmic pulse and a swing that is rarely heard among other instrumentalists who adhere to the principles of historical performance practice. 

bielefelder katolog logo CD REVIEW: BACH / THE SILENT CANTATA

Unglaublich gefühlvoll

Musica Sequenzas „Bach: The Silent Cantata“ beschert ein Klangerlebnis, das es so noch nie gab. Burak Ozdemir, der in Istanbul geborene Fagottist und Gründer des renommierten Barockensembles Musica Sequenza, hat aus 13 geistlichen Kantaten, die in Bachs schaffensreiche Leipziger Zeit ab 1723 fallen, Arien und Choräle ausgewählt und für Fagott sowie für die Musiker seines Ensembles neu eingerichtet. An Stelle der Kantatentexte tritt eine so emotionale und ausdrucksstarke Musik, die sich ganz ohne Worte überträgt. Die Gesangsstimmen übernimmt Ozdemir mit dem Fagott, das sich souverän und unglaublich gefühlvoll durch die Kompositionen Bachs bewegt. Dabei hat der Juilliard School-Absolvent die einzelnen Kantatensätze dramaturgisch zu einer zweiteiligen Erzählung zusammengestellt, die an eine Passionsgeschichte erinnert. Als Teil einer neuen Musikergeneration zeichnet sich das Ensemble Musica Sequenza unter künstlerischer Leitung von Ozdemir durch Vielseitigkeit, Leidenschaft und Innovation aus. Die jungen Absolventen der Juilliard School New York und der Universität der Künste Berlin stellen Alte Musik beeindruckend in einen neuen Kontext. 

fono forum logo CD REVIEW: VIVALDI / THE NEW FOUR SEASONS

Historisch informiert, elegant und direkt.

Wir schreiben das Jahr 2251. In Euro­pa sind die Begriffe Frühling, Som­mer, Herbst und Winter noch bekannt, aber ihre Bedeutung verschwimmt. Nass- und Trocken ­Phasen, Fluten und Hitzewellen bestimmen das Leben. Schon 2012 warnten Klimaforscher vor solchen Szenerien. 2251 lernen die Kinder: Früher waren die Jahreszeiten zuverlässige Wetterboten, der Kom­ponist Vivaldi schrieb ein Werk darüber. Viel­leicht kann dieses Werk den Menschen in Zukunft ja vermitteln, was die vier Jahreszeiten einst bedeuteten. Drei CDs sind herausgekommen, die das übernehmen wollen. Keinem der Musiker scheinen Vivaldis vier Violin ­Kon­zerte dabei zu genügen. Am wenigsten Burak Ozdemir, denn er ist Fagot­tist. Für seine »New Four Seasons« hat er aus Vivaldis Fagottkonzerten vier ausgewählt, die in seinen Augen zu Win­ter, Frühling, Som­mer und Herbst passen. Das ist keine szenische Mu­sik. Es geht um Gefühle, die der Winter in ihm auslöst. Die aber sind subjektiv. Ozdemir scheitert an seinem Anspruch, die »Vier Jahreszeiten« der Neuzeit zu schaffen. Unsere Schulklasse von 2251 könnte vermutlich wenig damit anfangen – ihr geht es ja nicht um die Musik; denn eigentlich handelt es sich hier einfach um eine gelungene Aufnahme von vier Fa­gottkonzerten. Auf modernen Instru­menten zwar, doch historisch informiert, elegant und direkt. 

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Bleibt kaum Wunsch offen.

Die vier Violinkonzerte von Antonio Vivaldi, die in einem Druck von 1725 erstmals erschienen und heute im Allgemeinen Die vier Jahreszeiten gennant werden, sind an Popularität kaum zu übertreffen. Vivaldi selbst verfasste zu den einzelnen Konzerten jeweils ein „Sonetto Dimonstrativo“, das die in der Musik dargestellten Bilder und Vorgänge in poetischer Form umschreibt. Diese Konzeption übertrug der türkische Fagottist (und Wahl-Berliner) Burak Ozdemir nun auf vier Fagottkonzerte Vivaldis. Die Gedichte dafür schrieb er selbst, sie erzählen in knappen Worten von winterlicher Melancholie, frühlingshaften Sehnsüchten, sommerlicher Leidenschaft und herbstlicher Nachdenklichkeit. Zu jeder Jahreszeit wählte Ozdemir ein Fagottkonzert aus, das jeweils die Stimmungen seiner Vierzeiler musikalisch wiedergeben soll.

Zähneklappern und Gewitter
Ozdemirs Vorgehensweise ist zweifellos originell, bleibt jedoch ein wenig fragwürdig und beliebig, da es sich bei den Stücken eben gerade nicht um originale Programmmusik handelt. In den Violinkonzerten setzte Vivaldi begriffliche Dinge, wie das Zähneklappern im Winter und das sommerliche Gewitter sehr deutlich um, wahren die Ausdruckwelt der von Ozdemir ausgewählten Fagottkonzerte sich auf weniger festlegbare Gefühle beschränkt. Insofern hätten sicher auch andere Konzerte Vivaldis herhalten koennen. Dass es sich bei den jahreszeitlichen Fagottwerken ausschließlich um Moll-Konzerte handelt, mag der Vorliebe Ozdemirs entstammen. Musikalisch jedoch sind die Stücke sehr gut dargeboten. Das amerikanische Ensemble Musica Sequenza spielt die Vivaladi-Werke mit grosser Leidenschaft und Ausdruckskraft. Auch beim Solisten Burak Ozdemir bleibt kaum ein Wunsch offen, er agiert in den virtuosen Passagen auf hohem Niveau und formt auch die langsamen Sätze mit grosser Gesanglichkeit. Das Klangbild insgesamt ist sehr hell und transparent und lässt ein Wenig Wärme vermissen. 

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Junges, erfrischend aufspielendes Barockensemble

Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ gehören ohne Frage zum Populärsten, was in der Klassik je geschrieben wurde. Burak Ozdemir ist Fagottist und mochte sich scheinbar nicht damit abfinden, dass es sich bei diesem Opus Vivaldis um vier Violinkonzerte handelt. Also suchte er sich vier Konzerte Vivaldis für sein Instrument, schrieb a la Vivaldi vier Sonette dazu und nannte das Ganze „The New Four Seasons“ (Die neuen vier Jahreszeiten). Sieht man einmal von dieser unkonventionellen und subjektiven Vorgehensweise ab, kann man auf der CD er junges, erfrischend aufspielendes amerikanisches Barockensemble hören, das mit einem höchst virtuosen und angenehm klingenden Fagottsolisten unbekannte Vivaldi-Werke darbiete, unabhängig von jahreszeitlichen Stimmungsbildern. 

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Fagöttlich!

Das Fagott sitzt im Bus der beliebtesten Solokonzert-Instrumente nicht ganz vorn. Das weiss auch der türkische Fagottist Burak Ozdemir und wirbt mit einer ungewöhnlichen Idee für sein Instrument: Er hat zu vier von Vivaldis 39 Fagottkonzerten kleine Gedichte über Frühling, Sommer, Herbst und Winter geschrieben und erschafft so „The New Four Seasons“, die neuen „Vier Jahreszeiten“. 

Station to Station Musica Sequenza Burak Ozdemir Sampling Baroque Handel 1

PORTRAIT : MUSICA SEQUENZA

Innovative and virtuoso manner..

Based in Berlin, the esteemed baroque ensemble Musica Sequenza was founded in New York City by conductor/bassoon virtuoso Burak Ōzdemir in 2008. Burak Ōzdemir believes that contemporary society has lost enthusiasm and “become foreign to the poetry of love.” Musica Sequenza rediscovered the Seicento, a period in Italian history and culture which occurred during the 17th century. Ōzdemir explains that “especially in Italy this century was devoted to the relinquishing of  god-fearing sentiment. Women were described as diaphanes, love became a storm cloud, their enchanting odor a sweet allurement.”

Musica Sequenza  wants to captivate the original sound of traditional baroque music. Modulating perfect audibility by incorporating the Italian Baroque Bassoon and other authentic Italian instruments.  Musica Sequenza is comprised of young talents in the effort to bring unfamiliar jewels of the early music repertory to new audiences in an innovative and virtuoso manner worldwide.

S2S: In 2008 you founded Musica Sequenza, bringing together young graduates from the Julliard School in New York with graduates from the UDK (University of Arts) Berlin who were passionate about the treasures of ancient music. You inspire and enthuse your audience with new discoveries of well-known creations such as Vivaldi’s The New Four Seasons and  Bach: The Silent Cantata. How did you manage to cross the transatlantic borders uniting musicians from New York and Berlin? 

Burak Özdemir: The group is really an open platform for artists from my past, present and future. The journey of Museq (Musica Sequenza) started in New York, where I was enrolled in an artistic graduate program at The Juilliard. Later on, I signed a contract with Harmonia Mundi Label in Germany for the release of my debut album, Vivaldi: The New Four Seasons. The promotion needed me to be back in Berlin physically. So I decided to found the ensemble by inviting my former college friends from the University of Arts Berlin, and started working on concerts in Germany and Europe, followed shortly by international productions. Our U.S. Tours are for example a reunion with our New Yorker team.

S2S: Musica Sequenza  is renowned for its wide musical and artistic spectrum, because you experiment and combine different elements. Where do you get your inspiration? What are your biggest influences?

Burak Özdemir/Musica Sequenza : I am influenced by our daily lives and all kinds of people. Reading the papers, walking down the streets, taking the subway or traveling around the globe and paying attention to how other people live.

To a certain degree it is analytic work that is socially engaged and conscious. Vivaldi: The New Four Seasons was addressing the issues of global warming: people going to Dubai for a ski vacation in summer or eating strawberries in winter, and  questioning whether this extravagant lifestyle is really necessary.

Recently Bach: The Silent Cantata is questioning the development of communication between people today, their usage of online platforms: Facebook & Twitter and its pros & cons.

S2S: In November you performed “The Silent Cantata” at Panorama Bar in Berghain. How did you perceive the performance there? Do you personally have one venue that stands out in your memory?

Burak Özdemir/Musica Sequenza: I perform more than 80 concerts a year worldwide and they all are special to me in the same way:  What stands out is the contact with the audience, the energy in the space, the vibe, the people and the moment when the sound I produce is heard in the room. I reflect the emotions and the movement, the perception of all those people, their appreciation. It’s all smoothly tuned.

S2S: You are originally from Istanbul. What roles do Turkish music and the cultural scene there have in your life?

Burak Özdemir: I am strongly bound to my roots in Istanbul, where my family and my old friends live. There’s simply so much history both in the city and for me personally. Every time I’m back in Istanbul, I feel there are some other senses in my brain that are on alert: The food, the tempo, the chaos, the beauty. I think Istanbul, with the culture it offers is a lifetime experience for artists of any discipline.

S2S: March 2012 your debut CD “Vivaldi: The New Four Seasons” was released and recently your CD production “Bach: The Silent Cantata” celebrated its’ premiere at the Crescendo Festival. How would you describe “The Silent Cantata” and your interpretation?

Burak Özdemir: There is something timeless about The Silent Cantata. It’s not music to be described by words as even its title is on mute. It is pure music that requires an open heart, allowing oneself to join the journey of music that is leading the way and taking you to unexpected places.

I have my very personal connection to the piece, which I don’t want to elaborate on further, as I believe everyone needs to have their own experience with “The Silent Cantata.”

S2S: Do you have future projects planned? Is there anything you eagerly would like to realize?

Burak Özdemir/Musica Sequenza: For the next two years we are almost completely booked. Some of the upcoming shows are: January 23rd at Umspannwerk, premiering Transmute; a space junk show. February 28th in Potsdam Nikolai Saal with a Sampling Baroque performance and April 4th with an exclusive performance at the Biennale for Early Music.

S2S: On New Year’s Eve you will be performing at Radialsystem, what can your audience expect?

Burak Özdemir: Wildness! I almost dropped the phone, when I was asked to be part of the Fuga: The Electro-Baroque Opera again.

Basically it’s a multi-media production of voice, baroque instruments, video installations, dance and live electronics. It tells the story of a young, hip, party couple, who is having trouble due to extreme cocaine use, manipulating their sexual identities. It’s an opera where you can stay put in your chair and watch, but also stand up and dance to it, while having cocktails. 

vincent kompier logo CONCERT REVIEW: RAMEAU A LA TURQUE

Berghainbarock!

Duister en imponerend als altijd ligt ze daar. Het licht flikkert door de ramen de donkere nacht in, de sterrenhemel tegemoet. Wat onwennig lopen ze de entreehal in: de dames en heren. Sommige keurig gekapt, hier en daar een beetje te veel rouge. De elegant berokte man met behaarde armen. De vrouw met een berenrugzak op, de man in Berghainoutfit (hoge sneakers, adidassportbroek, mouwloos shirt, petje), de dame met parelketting. Allemaal de grote stalen trap in de negen meter hoge hal op, naar boven, naar het licht. Daar aangekomen was het podium waar normaal de dj staat te spelen bijna leeg. Wel stonden er enkele muziekstandaards, waar je bladmuziek op zou kunnen zetten. En een te heet gewassen piano, leek het wel. Stoelen zoals bij een traditioneel concert zijn er niet. Bezoekers pakken lege kratjes om op te zitten. De medewerkers van Berghain schuiven een zwart laag podium voor het grote podium als extra zitgelegenheid. De verlichting is gedimd, maar niet zo dat men elkaar niet kan zien. De hoge ruimte overweldigt. Je zou denken dat er in zo’n club als Berghain waar al meer dan tien jaar ieder weekend gefeest wordt een voortdurende lucht van kroegpoep zou hangen (combi van slecht, schraal bier, rookresten, stof, vuil en ander ongemak) maar dat valt mee.

In het uitstekende dubbelnummer van Arch+ over Berlijn wordt getracht de mythe Berghain te beschrijven. Auteurs Christine Rüb en Anh-Linh Ngo halen het begrip ´heterotopie´ aan. Dat is een begrip dat door filosoof Michel Foucault in 1967 is geïntroduceerd en beschrijft het tegendeel van utopie, die niet bestaat. Een heterotopie bestaat wel, en omschrijft een plek waar de normale normen en waarden uit de maatschappij niet gelden, zoals theater, bioscoop, begraafplaatsen, gevangenissen. Uit eigen ervaring kan ik dat beamen. In Berghain wordt de dag nacht en kan de nacht 36 uur duren. In Berghain lukt het om heterochronie teweeg te brengen. Een proces dat volgens Foucault veroorzaakt wordt door een heterotopie; zo’n plek krijgt zijn eigen tijdservaring en tijdsbeleving. “Wann genau ist eigentlich Samstag?“ (wanneer precies is het eigenlijk zaterdag?) vraagt Tobias Rapp, popjournalist, zich af in Lost and Sound, Berlin, Techno und der Easyjetset, het geweldige boek over het Berlijnse uitgaansleven.

Maar voor ons vanavond geen nacht/dag/nachtmarathon, maar een concert. Want daar staat Berghain minder bekend om, dat ze ruimte geven aan klassieke dans/opera/muziek met een twist. Stipt kwart over negen is het zover. Een tienkoppig orkest betreedt het podium. Een nogal gemengd orkest, waarvan de helft van de instrumenten bekend is: een viool en een altviool zijn nog wel te herkennen, evenals een cello en een contrabas. Maar waar komt die ene meneer nu mee aanzetten? Dat lijken wel conga’s… evenals een andere meneer, die een driehoekig snaarinstrument onder zijn arm draagt. De te heet gewassen piano blijkt een klavecimbel.

Het licht dimt, het orkest gaat er voor zitten. Van achter het podium treedt een jonge jongen met pandjas en hoge witte sokken het podium tussen de orkestleden. In zijn hand een grote fagot. En dan begint het. Niets (nouja, bijna) is mooier in het leven dan die enkele seconde stilte tussen pratend en steeds meer zwijgend publiek en de start muziek, een viool, in dit geval. Het orkest speelt barokstukken van Jean-Philippe Rameau, barokcomponist uit Frankrijk. Het contrast tussen de zachte barokklanken die door de ruimte zweven en het harde Berghainbeton kan bijna niet groter. Na een paar nummers komen de mannen achter de onbekende instrumenten aan bod. Dan speelt het orkest nummers van de Osmaanse barokcomponist Tanburi Mustafa Çavuş waarbij de typische instrumenten als de Qanûn (dat lijkt op een cimbalom, een snaarinstrument), de luit en de tambur, een gitaar met een megalange steel een rol spelen. Wonderwel mengen de twee stijlen uitstekend. Dat komt vooral door de fagotspeler Burak Özdemir, oprichter van het orkest, dat hij in 2008 heeft opgericht: Musica Sequenza. Doel is om samen met jonge muzikanten de onbekende schatten van de oude muziek een nieuw en innovatief leven in te blazen. Dat vindt het publiek ook. Eerst wat onwennig en zuinig klappend is het later behoorlijk enthousiast. En ingetogen, want sommige gespeelde stukken zijn zo intens, dat het bijna een zonde wordt als na afloop de stilte valt en iemand dan toch begint te klappen. Het is muziek die je eigenlijk iedere dag even zou moeten horen. Om de vergankelijkheid van het leven te beseffen. Om even terug te keren naar de essentie die muziek en klank heet. Om een orkest uiterst geconcentreerd te zien spelen. En nee: geen geiPhone of geSefie; ook deze keer werd bij de deur door de portiers nadrukkelijk gezegd dat fotograferen verboden is. En iedereen die zich daaraan houdt. Dat maakt het nog meer een intense belevenis. Onder het mom ‘Baroque is the new pop’ wordt dit optreden aangekondigd. Daar houd ik wel van; onlangs schreef iemand al “food is het nieuwe clubben”, nu dus barok aan de beurt. Heerlijk, om zulke quasi-onzin op te schrijven, omdat veel mensen het werkelijk serieus nemen. Maar hier klopt het. Want zover je dat over barok kan zeggen; het rockt. Niet in de laatste plaats door de vervreemdende locatie waar het concert plaatsvindt: technotempel Berghain.

Na afloop plus toegift ging meteen de Berghaindreun aan. Ofwel: techno, de hartslag van Berlijn. Alsof de dj het wel genoeg vondt met al dat barok. Alsof hij bang was dat de klanken van barok zich stiekem in de spelonken van Berghain zou gaan vestigen. Wat wij als naïeve bezoekers niet wisten, is dat er nog een afterparty aan zat te komen. Want de nette mensen gingen weg, en de hippe bleven over. En niet voor niks. Na een tijdje springt Burak weer het podium op. Orkestloos, en omgekleed. Om met zijn fagot en de dj samen een mengsel van techno en fagot te spelen. Met de rookmasjien aan. Dat maakte het een beetje kitscherig, maar ook wel weer speciaal. Ziehier een impressie van ergens anders, want filmen mag ook niet in Berghain: Een optreden als dit is wat Berlijn uniek maakt. De cross-overs die hier ontstaan. Lang niet altijd hemelbestormend, ook niet altijd geslaagd. Maar de lust om te experimenteren, die hangt hier permanent in de lucht. En leidt (blijvend, hoop ik) tot dit soort topavonden.